Die prosoziale Natur des Menschen

Die prosoziale Natur des Menschen bezeichnet die Auffassung, dass Menschen von ihrer Anlage her zu Hilfe, Teilen und Kooperation bereit sind – und dass Egoismus und Gewalt nicht den Kern des Menschen ausmachen, sondern überwiegend erlernt sind. Die Forschung der letzten Jahre stützt das: Rein eigennütziges Verhalten ist im Experiment die Ausnahme, Hilfe im Alltag der Normalfall. Am Kyborg Institut ist dieser gute Kern zugleich eine Grundüberzeugung – und eine Annahme, von der man ausgehen kann.

„Ihr habt keine Feinde, sondern nur Störungen in eurem Unterbewußtsein … Verwirklicht eure Pläne, ohne andere zu kränken.“ – Horus, gechannelte Botschaft vom 1. Januar 1999

Was bedeutet „prosozial“?

Prosozial ist jedes Verhalten, das anderen nützt: helfen, teilen, trösten, kooperieren. Der Begriff ist weiter als Altruismus, der zusätzlich ein selbstloses Motiv verlangt. Wer prosozial handelt, kann dabei auch selbst etwas gewinnen – Freude, Ansehen, eine verlässliche Gemeinschaft. Das schmälert die Handlung nicht.

Die Frage nach der Natur des Menschen ist alt. Eine einflussreiche Annahme lautet, der Mensch sei im Grunde eigennützig und brauche Zwang, um friedlich zu leben – so bei Thomas Hobbes, bei Thomas Henry Huxley oder im Modell des stets gewinnmaximierenden Menschen der Wirtschaftslehre. Tobias O. R. Alke hat in seinem Fachbuch Ausgewählte Perspektiven des Altruismus (2017) über 650 Arbeiten aus Soziologie, Philosophie, Anthropologie, Psychologie und Ökonomie ausgewertet. Sein Ergebnis: Diese Annahme hält der Forschung nicht stand.

Ist der Mensch von Natur aus egoistisch?

Nach heutigem Stand nicht. Drei Befunde aus großen Studien:

Das deckt sich mit Beobachtungen bei Menschenaffen, die Frans de Waal seit Jahrzehnten beschreibt: Trösten, Teilen und Versöhnen haben tiefe Wurzeln in unserer Verwandtschaft.

Helfen schon kleine Kinder?

Ja. Kinder von etwa 14 bis 18 Monaten helfen spontan, wenn ein Erwachsener etwas nicht erreicht – ohne Belohnung (Warneken & Tomasello 2006). Mit 15 Monaten erwarten Kleinkinder bereits eine faire Verteilung (Schmidt & Sommerville 2011). Michael Tomasello deutet das so: Die Bereitschaft zu helfen zeigt sich etwa ab dem ersten Geburtstag von selbst – sie ist nicht anerzogen, und Belohnungen können sie sogar schwächen. Erst danach lernen Kinder, wem sie helfen und wem nicht (siehe Geteilte Intentionalität).

Nicht jeder frühe Befund hat gehalten. Dass schon Säuglinge „Helfer“ gegenüber „Störern“ bevorzugen, fand eine große Wiederholungsstudie in 37 Laboren nicht bestätigt (Lucca u. a. 2025). Gut belegt ist dagegen, was danach geschieht: Kinder in acht sehr verschiedenen Gesellschaften richten ihr Teilen mit dem Alter immer stärker nach den Normen ihrer Umgebung aus (House u. a. 2020). Angelegt ist demnach die Bereitschaft zur Kooperation und die Empfänglichkeit für Regeln – wie viel jemand gibt und wem, formt die Kultur.

Sind kleine Kinder egoistisch?

Nein – sie sind noch nicht fertig. Mitgefühl ist früh da, Teilen und Gerechtigkeit lernen Kinder nach und nach. Dass ein Zweijähriger seine Schaufel nicht hergibt, ist eine Entwicklungsstufe, kein egoistischer Kern.

Tobias O. R. Alke ist 2017 noch davon ausgegangen, dass junge Kinder eher egoistisch sind und mit dem Alter hilfsbereiter werden. Die Nachprüfung zeigt: Die Richtung über das ganze Leben stimmt, die Belege für den egoistischen Anfang tragen nicht – das vermerkt die Neuausgabe. In seinen eigenen früheren Arbeiten steht die Reihenfolge umgekehrt: „So sind wir zur Geburt in diesem klassischen Sinne höchst altruistische Wesen“ – und „erst durch seinen Egoismus erreicht das Kind in späteren Lebensphasen die Möglichkeit seine eigene persönliche Identität zu entwickeln“. Selbstbehauptung ist darin ein Schritt zur eigenen Person, nicht das Gegenteil von Güte. Dass diese Prägung schon vor der Geburt beginnt, ist seine Vermutung – mit den frühen Befunden vereinbar, aber bisher nicht eigens geprüft.

D. Harald Alke beschreibt dieselbe Entwicklung aus der Erziehungspraxis: „Sobald ein Kind das erste Mal “Ich!” gesagt hat, läßt es sich eigentlich nichts mehr sagen.“ Das ist bei ihm kein Egoismus, sondern das Erwachen des eigenen Willens. Und wie Kinder lernen, sagt das Kyborg-Lexikon in einem Satz: „Das ist der Weg, den jedes Kind ganz natürlich geht: Spiel, Versuch und Erfahrung.“

Macht Geben glücklich?

Menschen, die Geld für andere ausgeben, fühlen sich etwas besser als Menschen, die es für sich selbst ausgeben – in reichen wie in armen Ländern (Aknin u. a. 2013), bei Kleinkindern und in einem abgelegenen Dorf auf Vanuatu (Aknin u. a. 2015). Eine sorgfältige Wiederholungsstudie bestätigte den Effekt, fand ihn aber klein (Aknin u. a. 2020).

D. Harald Alke beschreibt dasselbe aus der Praxis, in beide Richtungen: Wer gibt, wird froher – und wer Freude an sich selbst empfindet, kann leichter geben. Selbstloses Helfen ist in seinem Stufenmodell keine Pflicht, sondern eine Entfaltung, der die eigene Freude vorausgeht (siehe Selbstfürsorge).

Woher kommen Egoismus und Aggression?

Am Kyborg Institut sehen wir die Hauptursache in der Prägung. D. Harald Alke hat dazu ein Entwicklungsmodell ausgearbeitet, das schon in der Schwangerschaft beginnt: Stress der Mutter, Nachahmung, Strafe, erzwungene Unterordnung, Existenzangst. „Die meisten Fehlverhalten geschehen aus Nachahmung“, heißt es im Kyborg-Lexikon, und über einen bissigen Menschen: „Das sind sie meistens nicht selber. Der Mensch ist im Kern gut.“ Wer aus Angst um seine Existenz nicht mehr geben kann, verliert etwas von seiner Menschlichkeit – darum ist Mangelbewusstsein so folgenreich. Tobias O. R. Alke fasst es 2016 zusammen: Die angeblich böse Natur des Menschen sei ein Produkt einer unausgeglichenen Erziehung, nicht der angeborenen Natur.

Die Forschung ergänzt dieses Bild um die Anlage. Zwillingsstudien schreiben etwa die Hälfte der Unterschiede im antisozialen Verhalten erblichen Unterschieden zu (zusammengefasst bei Tielbeek u. a. 2017), und Anlage und Erfahrung wirken oft zusammen. Die tragfähige Fassung lautet deshalb: Die Anlage ist zwischen einzelnen Menschen ungleich verteilt, und die Umwelt entscheidet mit. Das widerspricht dem Grundgedanken nicht – er betrifft den Menschen als Gattung, nicht die Unterschiede zwischen Einzelnen. Und es passt zu einem Grundsatz, den wir vertreten: Menschen sind gleichwertig, aber nicht gleich. Unterschiede in Anlage und Reife sind keine Rangordnung der Person.

Mehr dazu: Egoismus · Aggression · Verantwortung.

Ist Hilfsbereitschaft angeboren?

Zum Teil. Gene, Gehirn und Instinkt wirken mit – aber sie bestimmen nicht. Biologie und Prägung gehören zusammen.

Tobias O. R. Alke hat 2017 dafür geworben, die Biologie in der Altruismusforschung ernster zu nehmen, und der Soziologie vorgeworfen, sich gegen sie zu sperren. Für die Zeit damals ist diese Zurückhaltung belegt; inzwischen ist die Verbindung von Genetik und Sozialforschung ein eigenes Arbeitsfeld der Soziologie geworden. Wo die Arbeit ihre Belege zu weit las – etwa beim Oxytocin oder bei der Vererbung erlernten Verhaltens –, vermerkt das die Neuausgabe. Der Grundgedanke bleibt: Der Mensch ist auch biologisch auf Kooperation angelegt.

D. Harald Alke setzt einen eigenen Akzent. Für ihn ist rücksichtsloses Verhalten nicht ein Mangel an Verstand, sondern oft gerade sein Werk: „Solche einseitigen, destruktiven Handlungsweisen sind typisch für den Verstand, der Schritt für Schritt alles durchdenkt, ohne die großen Zusammenhänge zu erfassen.“ Und er sieht Unwissen nicht als Anlage: „Dummheit und Angst resultieren aus dem Nichtwissen. Genauer genommen ist es stets ein Nichtwissenwollen. Denn wissen können ist immer möglich, wenn man danach strebt.“

Ist Angst angeboren?

Angelegt ist die Bereitschaft zur Angst – als Schutz. Wovor ein Mensch sich fürchtet und wie stark, wird zum großen Teil gelernt, auch durch bloße Beobachtung anderer (Debiec & Olsson 2017). Die Unterscheidung ist wichtig: Die Arbeit über den Altruismus richtet sich nicht gegen die Schutzangst, sondern gegen eine anerzogene, verallgemeinerte Angst vor dem Mitmenschen. Ein Argument aus Tobias O. R. Alkes Studien von 2016: Gäbe es einen angeborenen „Naturzustand der Angst“, müssten Menschen überall gleich reagieren – das tun sie nicht.

Mehr dazu: Angst.

Werden Menschen mit dem Alter hilfsbereiter?

Im Durchschnitt ja. Ältere Erwachsene handeln altruistischer als jüngere (Sparrow u. a. 2021), und Daten aus 67 Ländern bestätigen das – zeigen aber auch eine stärkere Bevorzugung der eigenen Gruppe (Cutler u. a. 2021). Die prosoziale Natur hat also eine Kante: Kooperation nach innen kann mit Abgrenzung nach außen einhergehen. Darum gehört zu ihr die bewusste Entscheidung, auch Fremden gegenüber offen zu bleiben (siehe Kollektivismus und Individualismus und Reziprozität).

Helfen Frauen und Männer unterschiedlich?

Im Umfang kaum, in der Art schon. Eine Meta-Analyse über fünfzig Jahre Forschung zu sozialen Dilemmata findet insgesamt keinen Unterschied in der Kooperation (Balliet u. a. 2011). Frauen und Männer helfen in ähnlichem Maß, setzen aber im Mittel andere Schwerpunkte: Frauen häufiger trösten, pflegen und in nahen Beziehungen unterstützen, Männer häufiger retten, verteidigen und Fremden in kurzen, oft riskanten Situationen beistehen (Eagly 2009). Im Spiel um das Teilen von Geld geben Frauen Fremden im Mittel etwas mehr, Männer dagegen Familie und Freunden (Doñate-Buendía u. a. 2022). Dass Frauen sich empathischer beschreiben, ist gut belegt; in Messungen der Reaktion selbst sind die Unterschiede klein (Baez u. a. 2017).

Im Alltag zeigt sich dasselbe Bild. Töchter übernehmen mehr von der Pflege alter Eltern, Töchter eher für Mütter, Söhne eher für Väter (Grigoryeva 2017); Männer erhalten von ihren Ehefrauen mehr Pflege als umgekehrt (Glauber 2017). Ehrenamtlich engagieren sich Frauen und Männer in der EU fast gleich häufig – formell 18,2 und 19,6 Prozent, informell helfen Frauen etwas öfter (23,3 gegenüber 21,7 Prozent; Eurostat, EU-SILC 2015).

Tobias O. R. Alke kam schon 2017 zu dem Schluss, dass sich nicht behaupten lässt, Männer seien generell egoistischer als Frauen – sie setzen unterschiedliche Prioritäten gegenüber Verwandten und Fremden. Die Forschung seit 2013 stützt das. Woher die Unterschiede kommen, ist nach heutigem Stand nicht nur Erziehung: Rolle und Anlage wirken zusammen, Rollen erklären viel. Wie sehr sie geprägt werden, beschreibt D. Harald Alke an einem Beispiel: „Sprüche wie “Männer weinen nicht” oder “Mädchen sind zu dumm zum rechnen” verursachen übrigens ebenfalls Engramme, weniger durch akuten Schmerz, als durch häufige Wiederholung.“ Und das Zentrum der Nächstenliebe ordnet er nicht einem Geschlecht zu: „Alle Eltern brauchen es, um auf positive Weise ein Kind zu erziehen.“

Alle diese Befunde sind Mittelwerte mit großer Überlappung. Sie sagen nichts über eine einzelne Frau oder einen einzelnen Mann – und nichts darüber, welches Geschlecht das „bessere“ wäre.

Gibt es eine altruistische Persönlichkeit?

Ja – aber anders, als man oft denkt. Wer viel für andere tut, ist meist nicht der aufgewühlte, getriebene Retter, sondern ein Mensch mit innerer Ruhe und klaren Werten. Und er hilft am ehesten dann, wenn die Situation ihn anspricht, etwa durch eine Bitte. Person und Situation wirken zusammen.

Was die Forschung zeigt:

Tobias O. R. Alke hat die altruistische Persönlichkeit 2017 über mehrere Merkmale beschrieben: Ideale, die nüchterne Einschätzung der eigenen Fähigkeit zu helfen, Eigeninitiative, Unabhängigkeit vom Urteil anderer und eine Entwicklung, die sich über das ganze Leben erstreckt; dazu die klassischen Tugenden, die der Soziologe Vincent Jeffries ihr zuordnet – Mäßigkeit, Standhaftigkeit, Gerechtigkeit, Nächstenliebe und Klugheit. Der Kern hält der Nachprüfung stand. Wo die Arbeit ihre Quellen zu weit las, vermerkt das die Neuausgabe – etwa, dass mit „Selbst-Bewusstsein“ die Wahrnehmung des eigenen Inneren gemeint ist, nicht Selbstsicherheit nach außen.

D. Harald Alke kommt aus der Praxis zum selben Bild: „Wenn ich innerlich stabil bin, kann ich also meinen Mitmenschen sehr viel von dem geben, was sie selbst brauchen: Meine Zeit und Aufmerksamkeit für sie, die keine Zeit haben, etwas von meiner Ruhe und Zuversicht und ein bißchen mehr Lebensfreude.“ Und kurz: „Selbstbewußtsein bedeutet eigentlich selbst bewußt sein!“ Den Helfer sieht er als Vorbild, nicht als Retter: „Wir sollten lieber vorleben, daß es positiv gehen kann.“ Seine Regel für das Helfen hat zwei Seiten: „Es hat so gut wie keinen Sinn, jemanden retten oder jemandem helfen zu wollen, der nicht selbst aktiv danach verlangt.“ – „Das wäre ebenso falsch wie die Verweigerung einer gewünschten, notwendigen Hilfeleistung!“ Und wo die Not unmittelbar ist: „Wenn Dir ein Mensch direkt vor die Füße fällt, versuche ihm zu helfen, aber auch dabei sei vorsichtig.“

Wer unsicher ist, ist deshalb kein schlechterer Mensch. Innere Sicherheit lässt sich entwickeln – aus Sicht beider Autoren wird Unsicherheit eher anerzogen, als dass sie zur Natur eines Menschen gehört (siehe Prägung, Selbstfürsorge und Verantwortung).

Welche Gefühle machen hilfsbereit?

Gefühle entscheiden mit – nicht allein, aber durchgehend. Sie prägen, was wir wahrnehmen, wie wir abwägen und ob wir handeln (Lerner u. a. 2015). Doch nicht jedes Gefühl wirkt gleich:

Tobias O. R. Alke hat Emotionen 2017 als eine der wichtigsten Einflussgrößen für nachhaltige Hilfsbereitschaft beschrieben und Schuld als schlechten Antrieb für eine Gemeinschaft eingeordnet. Er fordert, dass die Soziologie die Biologie der Gefühle einbezieht, statt Handeln so zu betrachten, als hätte es keinen Körper.

D. Harald Alke sagt es aus der Erfahrung: „Es war schon immer der Gang der Dinge, daß wir zuerst emotional eine Entscheidung treffen, die wir dann rational zu begründen versuchen“. Gefühle sind für ihn körperlich und erlernt zugleich: „Unsere Gefühle sind anerzogene Reaktionen auf Umweltbedingungen innerhalb eines bestimmten Rahmens, den uns die Biologie unseres Körpers vorschreibt.“ Und er beschreibt die Kehrseite der täglichen Schreckensmeldungen: „Wir reagieren kaum noch, wenn echte Bedrohungen gemeldet werden.“

Zur Vorsicht gehört: Einfache Hormonerklärungen – etwa „Oxytocin macht vertrauensvoll“ – haben sich in Wiederholungsstudien als wenig belastbar erwiesen (Nave, Camerer & McCullough 2015). Gefühle sind Körper und Prägung; keine einzelne Substanz erklärt, warum ein Mensch hilft.

Wie lernen Kinder, hilfsbereit zu sein?

Vor allem durch das, was sie erleben – weniger durch das, was man ihnen sagt. Kinder lernen durch Vorbilder und durch Erklären; Zwang und Strafe bewirken eher das Gegenteil. Die Forschung bestätigt diese Richtung, mit kleineren Effekten, als man oft annimmt:

Tobias O. R. Alke hat 2017 die Eltern als prägenden Einfluss beschrieben und die Sozialisation als lebenslangen Vorgang. Die Richtung hält der Nachprüfung stand; manches las die Arbeit zu weit, etwa, dass die Eltern allein entscheiden. Das vermerkt die Neuausgabe. Schon 2009 schrieb er, es sei besser, ein Kind bei Fehlverhalten zu belehren, als es auszugrenzen, und 2016: Die böse Natur des Menschen sei „ein Produkt unserer unausgeglichenen Erziehung, nicht unserer angeborenen Natur!“

D. Harald Alke kennt den Mechanismus aus der Praxis: Erzwungener Gehorsam „kann … leicht umschlagen in einen krassen Egoismus“. Was Eltern geben, beschreibt er ohne Rangfolge zwischen Mutter und Vater: „Mutter oder Vater sein bedeutet, etwas von den eigenen Werten abgeben zu können, ohne zu wissen, ob man etwas zurückbekommt.“ Und er zieht eine Grenze, die zur Reife gehört: Wer die Ursachen seiner Probleme bei den Eltern sucht, vergibt die Chance, das eigene Leben in die Hand zu nehmen. Prägung ist kein Schicksal.

Was sagt das Kyborg Institut dazu?

Die Grundthese steht bei D. Harald Alke ausdrücklich als Annahme, von der man ausgehen kann – nicht als Dogma:

„Gehen wir davon aus, daß der Mensch, die Natur und alles was darin lebt, vom Ursprung her gut und richtig ist.“ – D. Harald Alke, 1986

Er setzt sie gegen eine andere Annahme, die sich selbst bestätigt: „Es ist ein grundlegender Irrtum der meisten Menschen, daß sie meinen, sie könnten nur gegen die Interessen Anderer oder auf Kosten anderer Erfolg haben. Wer so denkt, bekommt natürlich Recht!“ Und knapp: „Man muß nicht den anderen ein Wolf sein.“

Die Unterscheidung zwischen angeborener Ethik und anerzogener Moral gehört dazu: Das Gewissen entsteht aus beidem. Gemeinschaft, die trägt, wächst aus dieser inneren Haltung, nicht aus Verordnung (siehe Gemeinschaft, die uns stärkt und Nächstenliebe & Altruismus).

Was sagen die gechannelten Botschaften?

In den medialen Botschaften, die D. Harald Alke seit 1990 aufgezeichnet hat, erscheint dieselbe Grundüberzeugung als Mitteilung aus der geistigen Welt. Wir geben sie als persönliche, weltanschauliche Sicht wieder, nicht als Beleg (siehe Channeling):

„Am Anfang war Gott, war alles gut. Jetzt sind wir und alles wird werden, wie wir es in unserem Herzen ersehnen. Die Güte des Herzens sei der Maßstab für das Leben auf Erden.“ – Horus

„Glaube an das Gute im Menschen und Du erkennst den göttlichen Funken in ihrem Bewußtsein.“ – Junow, 3. Juli 1991

„Die Kraft der Liebe ruht in jedem Menschen. Ihr solltet sie nicht gering achten, sondern vermehrt zum Ausdruck bringen.“ – Horus, 15. September 1997

„Das Böse existiert nicht. Es ist eine Verminderung des Guten.“ – Horus und weitere Lichtwesen, 2. Mai 1994

Der letzte Gedanke hat eine lange Geschichte: In der christlichen Philosophie seit Augustinus heißt er privatio boni, das Böse als Mangel an Gutem. Auch zur Angst gibt es eine Botschaft, die zur Forschung passt: „Angst ist ein natürlicher Schutzmechanismus“ (Junow, 1. Juli 1991). Und die Botschaft vom 1. Januar 1999, die diesem Eintrag vorangestellt ist, zeigt, worauf die Haltung hinausläuft: nicht auf einen Kampf gegen andere, sondern darauf, die eigenen Pläne zu verwirklichen, ohne andere zu kränken.

Wo liegen die Grenzen dieser Sicht?

Die Befunde sind deutlich, aber kein Schlusspunkt. Mehrere Laborbefunde, die lange als Beleg galten, haben sich in großen Wiederholungsstudien nicht bestätigt; gewachsen sind dagegen die Feld- und Großdaten. Erblichkeit beschreibt Unterschiede zwischen Einzelnen und sagt nichts über den Wert eines Menschen oder einer Gruppe. Und jede wissenschaftliche Erklärung ist ein Modell – eine Landkarte, nicht die Landschaft. Am Kyborg Institut bleibt der gute Kern des Menschen darum beides: ein gut gestützter Befund und eine Haltung, die man wählen kann.

Zur Vertiefung: Das Gute im Menschen bei Friedrich Nietzsche · Der emotionale Grundstein des Kindes.

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Ist Hilfsbereitschaft angeboren?

Zum Teil. Unterschiede in der Hilfsbereitschaft sind zu einem großen Teil erblich, beruhen aber auf sehr vielen Genen mit winzigem Effekt – ein Altruismus-Gen gibt es nicht. Das Gehirn belohnt das Geben. Erlerntes Verhalten vererbt sich beim Menschen nach heutigem Stand nicht über die Gene, sondern über Vorbild und Erziehung. Gene wirken mit, bestimmen aber nicht.

Ist der Mensch von Natur aus egoistisch?

Nach heutigem Forschungsstand nicht. In Verhaltensexperimenten ist rein eigennütziges Verhalten die Ausnahme, und große Feldstudien zeigen Hilfe und Ehrlichkeit als Normalfall: In 40 Ländern wurden verlorene Geldbörsen mit mehr Geld sogar häufiger zurückgegeben, und bei neun von zehn öffentlichen Konflikten griff jemand ein. Angelegt ist eine Bereitschaft zu Kooperation – wie sie sich ausprägt, formen Erziehung und Kultur.

Was bedeutet prosozial?

Prosozial ist jedes Verhalten, das anderen nützt: helfen, teilen, trösten, kooperieren. Der Begriff ist weiter als Altruismus, der zusätzlich ein selbstloses Motiv voraussetzt.

Helfen schon kleine Kinder?

Ja. Kinder im Alter von etwa 14 bis 18 Monaten helfen Erwachsenen spontan, etwa indem sie einen heruntergefallenen Gegenstand aufheben, ohne dafür belohnt zu werden. Wie stark sie später teilen, gleicht sich mit dem Alter den Gepflogenheiten ihrer Gesellschaft an.

Sind kleine Kinder egoistisch?

Nein, sie sind noch in Entwicklung. Mitgefühl zeigt sich schon ab etwa drei Monaten, ab drei Jahren achten Kinder darauf, ob jemand anderen schaden wollte. Teilen und Gerechtigkeit lernen sie nach und nach: Drei- bis Vierjährige teilen eher zu ihren Gunsten, Sieben- bis Achtjährige meist gleich. Das ist eine Entwicklungsstufe, kein egoistischer Kern.

Macht Geben glücklich?

Studien in vielen Ländern finden, dass Menschen, die Geld für andere ausgeben, sich etwas besser fühlen als Menschen, die es für sich selbst ausgeben – auch Kleinkinder und Menschen in einem abgelegenen Dorf. Der Effekt ist belegt, aber klein. Nach unserer Erfahrung verstärken sich Geben und Freude gegenseitig.

Woher kommen Egoismus und Aggression, wenn der Mensch prosozial ist?

Aus unserer Sicht überwiegend aus Prägung: Strafe, Angst, Mangel und erzwungene Unterordnung können die angelegte Hilfsbereitschaft überlagern. Die Forschung zeigt zugleich, dass auch die Anlage mitspielt und zwischen einzelnen Menschen verschieden ist. Anlage und Umwelt wirken zusammen.

Ist Angst angeboren?

Angelegt ist die Bereitschaft zur Angst als Schutz. Wovor ein Mensch Angst hat und wie stark, wird zum großen Teil gelernt – auch durch Beobachtung anderer.

Helfen Frauen mehr als Männer?

Im Umfang kaum. In Kooperationsexperimenten gibt es insgesamt keinen Unterschied; Frauen helfen im Mittel häufiger pflegend und in nahen Beziehungen, Männer häufiger rettend und gegenüber Fremden. Es sind Mittelwerte mit großer Überlappung – sie sagen nichts über einzelne Menschen und begründen keine Rangfolge.

Gibt es eine altruistische Persönlichkeit?

In gewissem Sinn ja. Menschen, die viel für andere tun, zeichnen sich im Mittel durch klare Werte, ein Gefühl sozialer Verantwortung, Ehrlichkeit und Bescheidenheit aus – und durch innere Ruhe: Sie reagieren auf fremde Not mit weniger eigenem Stress. Ob sie helfen, hängt zugleich von der Situation ab, etwa von einer direkten Bitte. Person und Situation wirken zusammen.

Welche Gefühle machen Menschen hilfsbereit?

Vor allem Dankbarkeit, Ehrfurcht und Mitgefühl. Schuld drängt zwar zur Wiedergutmachung, lenkt die Hilfe aber einseitig. Bei sehr vielen Betroffenen schwindet das Mitgefühl – vor allem, wenn Menschen glauben, nichts bewirken zu können. Konkrete, sichtbar wirksame Hilfe wirkt dem entgegen.

Wie lernen Kinder, hilfsbereit zu sein?

Vor allem durch Vorbilder und eine warme, erklärende Erziehung; Härte und Strafe wirken eher dagegen. Mütter und Väter haben etwa gleich viel Einfluss, Gleichaltrige wirken mit. Für Kinder zählt, wie Eltern Konflikte austragen, mehr als die Familienform. Die Effekte sind belegt, aber kleiner als oft angenommen – und Prägung ist kein Schicksal.

Ist die prosoziale Natur des Menschen wissenschaftlich bewiesen?

Die Befunde sprechen deutlich dafür, dass Menschen als Gattung nicht von Natur aus egoistisch sind. Ein endgültiger Beweis ist das nicht: Wissenschaftliche Modelle sind Landkarten, nicht die Landschaft. Am Kyborg Institut ist der gute Kern des Menschen zugleich eine Grundüberzeugung.

Verwandte Standpunkte & Aktuelles

Änderungsverlauf · zuletzt aktualisiert am
  • — Unsere eigene Sicht klarer formuliert.
  • — Hinweis zum Fall Kitty Genovese und Verweis auf den neuen Eintrag „Hilfreiches Verhalten (Bierhoff)“.
  • — Abschnitt zu kleinen Kindern am Original von Michael Tomasello präzisiert.
  • — Quelle ergänzt: Frans de Waal, Primaten und Philosophen.
  • — Abschnitt ergänzt: Ist Hilfsbereitschaft angeboren? – Erblichkeit, Gehirn, Intuition und Intelligenz, was sich nicht vererbt, mit Quellen.
  • — Abschnitt ergänzt: Sind kleine Kinder egoistisch? – Mitgefühl ab dem dritten Monat, Teilen als Entwicklung, die Jugend als wichtige, nicht einzige Phase, mit Quellen.
  • — Abschnitt ergänzt: Wie lernen Kinder, hilfsbereit zu sein? – Vorbilder, Erklären statt Strafen, Mutter und Vater, Familienkonflikte, mit Quellen.
  • — Abschnitt ergänzt: Welche Gefühle machen hilfsbereit? – Dankbarkeit, Schuld, Mitgefühl bei großen Zahlen, mit Quellen.
  • — Abschnitt ergänzt: Gibt es eine altruistische Persönlichkeit? – Werte, innere Ruhe, eigener Antrieb und die Rolle der Situation, mit Quellen.
  • — Abschnitt ergänzt: Helfen Frauen und Männer unterschiedlich? – Forschungsstand zu Umfang, Schwerpunkten, Pflege und Ehrenamt.
  • — Eintrag neu angelegt: die prosoziale Natur des Menschen aus dem Fachbuch „Ausgewählte Perspektiven des Altruismus“ und den Werken D. Harald Alkes, ergänzt um den Forschungsstand seit 2013.

Quellen

  • Tobias O. R. Alke: Ausgewählte Perspektiven des Altruismus. Kyborg Institut und Verlag, 2017. ISBN 978-3-96104-027-8. Eintrag Deutsche Nationalbibliothek
  • Tobias O. R. Alke: Der emotionale Grundstein des Kindes. Pränatale Sozialisation – Biologische Umwelt – Individuelle Chronik. Flörsheim-Dalsheim: Kyborg Institut & Verlag, 2016.
  • Frans de Waal: Primaten und Philosophen. Wie die Evolution die Moral hervorbrachte. Hanser, München 2008 (engl. Primates and Philosophers, 2006; Kern: Tanner Lectures, Princeton 2003).
  • D. Harald Alke: Energie für Millionen. Kyborg Institut & Verlag – Aphorismus „dha 1986“ und Kapitel zur Entwicklung des Kindes.
  • D. Harald Alke: Kyborg-Lexikon. Kyborg Institut.
  • D. Harald Alke u. a.: Botschaften aus dem Licht. Gechannelte Botschaften von Horus und weiteren geistigen Wesenheiten. Kyborg Institut.
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  • D. Harald Alke: Mahatma – Die große Seele der Natur (Lebenserinnerungen). Kyborg Institut & Verlag.
  • D. Harald Alke: Energytraining Band 1. Kyborg Institut & Verlag.
  • D. Harald Alke: Horus-Handbuch. Kyborg Institut & Verlag.
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Von Tobias O. R. Alke, D. Harald Alke

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