Kollektivismus & Individualismus

Kollektivismus und Individualismus sind zwei gegensätzliche Antworten auf eine einfache Frage: Was hat Vorrang, wenn sie in Konflikt geraten – die Mehrheit oder der Einzelne? Am Kyborg Institut beziehen wir dazu eine klare, ausdrücklich subjektive Position: Kollektivismus wirkt tendenziell egoistisch, Individualismus tendenziell altruistisch – Gemeinschaft trägt dann am besten, wenn sie freiwillig entsteht. Die Forschung der letzten Jahre stützt das in wesentlichen Punkten – und zeigt zugleich, wo die Sache verwickelter ist, als ein einfaches Entweder-oder nahelegt.

„Die Gemeinschaft steht genauso wenig über dem Individuum wie das Individuum über der Gemeinschaft.“ – Tobias O. R. Alke, Ausgewählte Perspektiven des Altruismus (2017)

Was bedeuten Kollektivismus und Individualismus?

Unter Kollektivismus verstehen wir – im Anschluss an Tobias O. R. Alkes Untersuchung Ausgewählte Perspektiven des Altruismus (2017), die über 650 Arbeiten auswertet – die generelle Bevorzugung der Interessen der Mehrheit gegenüber denen von Minderheiten und Einzelnen. Der Einzelne wird dem Ganzen untergeordnet; notfalls soll er dazu gebracht werden.

Individualismus ist die Gegenperspektive. Er erkennt die Gemeinschaft an, setzt ihrem Vorrang aber Grenzen und schützt den Einzelnen davor, „dem Ganzen“ geopfert zu werden. Das ist kein „jeder für sich“ – sondern die Überzeugung, dass das Gute freiwillig geschehen muss, um echt zu sein. Ein Wörterbuch der Philosophie unterscheidet entsprechend einen individualistischen Altruismus, der sich am Wohl eines anderen Menschen orientiert, von einem kollektivistischen, der sich am Wohl der Allgemeinheit ausrichtet. Beides schließt sich nicht aus: Wer einen Einzelnen fördert, fördert zugleich die Gemeinschaft.

Die Herkunft ist aufschlussreich. Das Wort altruisme stammt von Auguste Comte, dem Namensgeber der Soziologie; er prägte es 1851. Schon 1844 nennt er das alte, theologische Denken „essentiellement individuelle, et jamais directement collective“ – wesentlich auf den Einzelnen bezogen, nie unmittelbar auf die Gemeinschaft –, den positiven Geist dagegen „directement social“ (Discours sur l’esprit positif; dt. Fetscher 1994: 79 f.). Die Ich-Philosophie der Metaphysik mündet für ihn in den Egoismus; der positive Geist kennt „nur die Menschheit“ (Fetscher 1994: 80). Der Begriff Altruismus ist also von Geburt an mit dem Vorrang des Ganzen vor dem Einzelnen verknüpft – wir fassen das mit dem Begriff Kollektivismus; das Wort selbst benutzte Comte nicht. Mehr unter Altruismus bei Comte. Diese Verknüpfung zu lösen, ist das zentrale Anliegen der Arbeit von 2017.

Ist das dasselbe wie „kollektivistische Kulturen“?

Nein – und dieser Unterschied ist wichtig. In der Kulturpsychologie (Hofstede, Triandis) bezeichnen Individualismus und Kollektivismus etwas anderes: ob sich Menschen eher als unabhängig oder als eingebunden in Familie und Gruppe verstehen. Das ist eine Frage des Selbstbildes, nicht der Macht. Eine Gesellschaft kann in diesem Sinn eng familienverbunden sein und zugleich einen schwachen Zentralstaat haben – oder umgekehrt.

Dieser Eintrag kritisiert Zwang, nicht Zusammengehörigkeit. Er wertet keine Kultur ab, die Familie und Gemeinschaft hoch hält. Fremde Traditionen stehen für uns nebeneinander, nicht übereinander.

Zwei Ordnungsmodelle

Hinter dem Begriffspaar stehen zwei Vorstellungen davon, wie menschliches Zusammenleben funktioniert:

Am Kyborg Institut stehen wir auf der Seite der gewachsenen Ordnung. Wer Menschen für grundsätzlich schlecht hält, braucht Zwang; wer ihre prosoziale Natur ernst nimmt, kann auf Freiwilligkeit bauen. Laozi hat diesen Gedanken vor rund 2.600 Jahren formuliert – er durchzieht das Werk von Harald Alke:

„Je mehr die ethische Ordnung verloren geht, desto mehr Verordnungen und Gesetze sind nötig. Je mehr Verordnungen erlassen werden, desto mehr zerfällt die natürliche Ordnung.“

Zwei Ordnungen im Vergleich

Tobias O. R. Alke hat die beiden Ordnungen in seiner Arbeit von 2017 gegenübergestellt (Tabelle 11, Auswahl, Wortlaut der Arbeit):

kollektivistisch (Hobbes)individualistisch (Darwin)
künstliche soziale Ordnungnatürliche soziale Ordnung
Unterdrückung von Freiheiten/AbweichungenGewähren von Freiheiten/Abweichungen
soziale Zwängefrei von Hemmungen
sozialer Drucknatürliche Solidarität
Erosion der sozialen Stabilität einer GesellschaftGenese der sozialen Stabilität einer Gesellschaft
das Faustrecht des Stärkerenethisch-moralisches Abwägen
simple Normen und Wertekomplexe Normen- und Wertekonglomerate
Akzeptanz von vorteilhaften Ungleichgewichten zu Lasten andererAblehnung von vorteilhaften Ungleichgewichten zu Lasten anderer
Einschränkungen von BildungsmaßnahmenFörderung von Bildungsmaßnahmen
mehr Trittbrettfahrerproblemekaum/keine Trittbrettfahrerprobleme

Die Spalten beschreiben Ordnungsprinzipien, keine Länder und keine Kulturen. In jeder Gesellschaft wirkt beides; entscheidend ist, welches Prinzip überwiegt.

Warum erzeugt Zwang keine Hilfsbereitschaft?

Die philosophische Linie. Friedrich Nietzsche nannte eine Moral, die aus dem Groll der Unterlegenen entsteht und das Starke, Seltene, Abweichende als „böse“ wertet, „Sklavenmoral“; die moderne Gleichheitsmoral nannte er „Heerdenthier-Moral“ (Jenseits von Gut und Böse § 202; Zur Genealogie der Moral I § 10). Wir lesen seine Kritik so, dass sie Machtstrukturen sichtbar macht, die hinter einer scheinbar selbstlosen Fassade Druck ausüben (mehr unter Nächstenliebe & Altruismus). Thomas Nagel begründet Altruismus aus der Vernunft: Wer andere als ebenso wirklich anerkennt wie sich selbst, hat Gründe, sich nicht in ihr Leben einzumischen und eine Ordnung mitzutragen, in der jeder seine eigenen Ziele verfolgen kann (Nagel 2005: 179 f.). Aus unserer Sicht folgt daraus: Freiheit ist eine Bedingung des Altruismus – wer helfen soll, muss die Wünsche anderer respektieren können, statt sich ihnen beugen zu müssen. Und das Modell der „altruistischen Bestrafung“ (Fehr & Gächter 2002), nach dem Menschen Regelbrecher auf eigene Kosten bestrafen, liest Tobias O. R. Alke als Wiederkehr Comtes in ökonomischer Sprache: Prosozialität, die mit Strafe erzwungen wird, statt aus Überzeugung zu wachsen.

Was die Forschung zeigt:

Ist Konformität schlecht?

Nicht an sich. Die neuere Forschung zeigt, dass Konformität in beide Richtungen wirkt: Wer sieht, dass andere großzügig spenden, spendet selbst mehr – und das überträgt sich bis auf das eigene Mitgefühl (Nook u. a. 2016). Gehorsam entsteht zudem weniger aus Befehlen als aus der Identifikation mit einem geteilten Ziel (Haslam, Reicher & Birney 2014). Und als in den besetzten Niederlanden Juden gerettet wurden, gelang das häufiger im Umfeld religiöser Minderheiten – von Gemeinschaften getragen, die sich von der Mehrheit absetzten (Braun 2016). Gemeinschaft und Nicht-Anpassung an die Mehrheit gehen also oft zusammen.

Daraus folgt unsere Unterscheidung: Konformität wirkt prosozial, wo sie geteilte Werte und eine gewachsene Ordnung wiedergibt. Sie schadet, wo Druck an die Stelle von Überzeugung tritt – und wo Menschen sich anpassen sollen, indem sie ihre eigene Herkunft und Geschichte verleugnen, die Interessen anderer missachten oder alle Unterschiede für bedeutungslos erklären. Das gilt für jede Kultur gleich, die eigene eingeschlossen.

Befolgen ist nicht automatisch Altruismus. Wer sich fügt, um nicht aufzufallen, nicht bestraft zu werden oder zur Mehrheit zu gehören, handelt für sich, nicht für andere – so lesen wir Nietzsches Bild der Herde. Ob ein Mensch aus Überzeugung oder aus Anpassung handelt, zeigt sich am Motiv. Studien aus der Pandemie fanden, dass Kollektivismus und straffe Normen mit mehr Schutzverhalten und weniger Infektionen einhergingen (Lu, Jin & English 2021; Gelfand u. a. 2021) – ob das Hilfsbereitschaft oder Gehorsam war, haben sie nicht gemessen. Diese Frage lassen wir offen.

Harald Alke fasst die Balance in zwei Sätzen: „Unsere Ethik steht über der gerade gültigen Moral.“ Und an die Jugend: „Du mußt Dich anpassen und doch Du selbst bleiben!“ (siehe Ethik und Moral)

Sind Individualisten hilfsbereiter?

Gegenüber Fremden spricht vieles dafür. Wo Menschen historisch weniger eng in Verwandtschaftsnetze eingebunden waren, finden sich heute mehr Vertrauen und Fairness gegenüber Unbekannten und eine stärker universelle Moral (Schulz u. a. 2019; Enke 2019). Daten aus 66 Ländern zeigen einen Zusammenhang zwischen Individualismus und Spenden, Ehrenamt und Hilfe für Fremde (Luria, Cnaan & Boehm 2015). Vertrauen in Fremde wächst dort, wo Menschen aus der Kontrolle der Binnengruppe gelöst werden (Welzel & Delhey 2015).

Aber: Die größte Vergleichsstudie zur Kooperation unter Fremden – über 1.500 Studien aus 70 Gesellschaften – findet sehr wenig Unterschied zwischen Gesellschaften (Spadaro u. a. 2022). Und Gemeinschaft ist nicht das Problem: Was Gruppen antreibt, ist meist Liebe zur eigenen Gruppe, nicht Feindseligkeit gegenüber anderen (Weisel & Böhm 2015). Entscheidend ist, wie weit der Kreis gezogen wird – der Vertrauensradius. Er wächst mit der Freiheit des Einzelnen.

Auf der Ebene ganzer Gesellschaften geht Individualismus mit mehr Innovation und Entwicklungsdynamik einher (Gorodnichenko & Roland 2017), und er nimmt weltweit zu – seit 1960 um rund zwölf Prozent, vor allem mit wirtschaftlicher Entwicklung (Santos, Varnum & Grossmann 2017). Das beschreibt einen Zusammenhang zwischen Merkmalen, keine Rangfolge von Ländern.

Braucht Gemeinschaft einen Souverän?

In Laborexperimenten, in denen eine Gruppe einen gemeinsamen Vorrat übernutzt hatte, stimmten die Beteiligten mit großer Mehrheit dafür, einen Anführer zu wählen (Messick u. a. 1983; Samuelson & Messick 1986). Gruppen übertragen auch freiwillig Sanktionsmacht an eine zentrale Stelle (Gross u. a. 2016) – am wirksamsten, wenn diese legitim, etwa gewählt ist (Baldassarri & Grossman 2011). Das stützt eine begrenzte, freiwillig übertragene Instanz, keine beliebige Zentralmacht.

Es gibt auch andere Auswege. Harald Alke hat einen davon selbst erlebt. Ab 1980 führte er mit seiner Familie einen selbst aufgebauten Hof in den Pyrenäen als spirituelles Zentrum. Einige hundert junge Reisende kamen bis 1986; für sie war alles kostenlos, verbunden mit der Bitte, bei der Arbeit mitzuhelfen. Viele taten das und kamen begeistert wieder; andere nahmen nur. Seine Bilanz 1985: „Ganz offensichtlich ist es nicht möglich, auf diese sanfte Tour Menschen zu einem gemeinschaftlichen positiven Verhalten zu erziehen.“ Er führte erst eine Hausregel ein – wer mitisst, hilft mit –, dann einen Preis: „Wir leben im Kapitalismus, und die Menschen wissen es nicht zu schätzen, wenn etwas kostenlos ist.“ Beides ordnete ohne Souverän: Die Regel galt nur für den, der freiwillig kam, und der Preis machte Leistung und Gegenleistung sichtbar (siehe Reziprozität). Sein Rat später: „Rechnen Sie nicht auf die ‚Hilfe von oben‘, machen Sie es selbst!“

Aus unserer Sicht zeigt sich hier das Wissensproblem, das Friedrich August von Hayek beschrieben hat (dazu unten mehr). Wir formulieren daraus eine These, die sich prüfen und widerlegen lässt: Je stärker eine Gesellschaft zentralisiert, desto stärker wird Altruismus unterdrückt. Dazu passt ein Befund mit ehrlicher Einschränkung: Im Experiment verdrängt staatliche Förderung private Spenden deutlich, in Beobachtungsdaten kaum (de Wit & Bekkers 2017). Wie wir die Rolle von Staat und Markt heute sehen – und wo wir frühere Einschätzungen korrigiert haben –, steht im Standpunkt Wer beutet wirklich aus – Staat oder Markt?.

Eingriffe von außen folgen oft demselben Muster: Sie verdrängen, was aus eigener Kraft gewachsen ist. Die Ethnologie hat dafür seit Bronisław Malinowski eine Regel: teilnehmende Beobachtung über lange Zeit, die fremde Gemeinschaften mit ihren Werten und Normen möglichst unberührt lässt. Tobias O. R. Alke hat 2017 kritisiert, dass eine Zürcher Studie zur Strafe in zwei indigenen Gruppen Papua-Neuguineas diese Regel nicht einhielt: Die Spielregeln wurden von außen vorgegeben (Bernhard, Fischbacher & Fehr 2006). Es ist eine eigene Untersuchung zur Frage, ob Menschen zugunsten der eigenen Gruppe strenger strafen – kein Kontrollversuch zum bekannten Experiment von Fehr und Gächter; den Zugang zu den Gruppen stellte die Erstautorin Helen Bernhard selbst her. Wer eine Gemeinschaft mit fremden Regeln, Geldeinsätzen und Anleitungen von außen konfrontiert, misst auch die eigene Einwirkung. Ein solches Spiel zeigt dann, wie Menschen in dieser Spielsituation handeln – nicht, wie ihre Kultur ohne den Besuch der Forschenden aussähe. Die Kritik gilt der Methode, nicht den Menschen, die sie anwenden.

Warum ist Kollektivismus tendenziell egoistisch?

Zwei Spalten auf hellem Grund. Links, orange überschrieben: „Kollektivismus – tendenziell Egoismus“ mit dem Kernsatz „Die Begehren einzelner müssen sich den Begehren der Masse beugen.“, darunter Ursache „Wissensproblem des Souveräns: verstreutes Wissen ist zentral nicht einholbar“, Mittel „Regulierung · Bürokratie · Konformität · Bestrafung“ und Grundlage „Zentralisierung und Abgabe von Verantwortung an den Souverän“. Rechts, grün überschrieben: „Individualismus – tendenziell Altruismus“ mit dem Kernsatz „Die Begehren anderer müssen respektiert werden.“, Ursache „Detailwissen vor Ort, das dem Souverän fehlt · Empathie“, Mittel „Informationsfreiheit · Gewähren von Freiheit“ und Grundlage „Verantwortung des Individuums · Vertrauen“. Darunter der Satz „Je stärker zentralisiert, desto stärker unterdrückter Altruismus.“

Das Schaubild folgt Abbildung 3 der Arbeit von 2017, in der Fassung von 2026 um Friedrich August von Hayek erweitert. Es dreht eine verbreitete Gleichung um: Nicht der Individualismus ist egoistisch und der Kollektivismus selbstlos, sondern umgekehrt. Kollektivismus gibt sich als Dienst an der Allgemeinheit; der Sache nach wirkt er tendenziell egoistisch. Aus unserer Sicht hat das fünf Gründe:

  1. Die Verantwortung wandert nach oben. Wo eine zentrale Instanz entscheidet, entscheidet der Einzelne nicht mehr selbst – und handelt dann auch nicht mehr aus eigener Ethik. Hayek hat in Der Weg zur Knechtschaft (1944) gezeigt, dass Moral nur dort möglich ist, wo der Einzelne frei wählen und die Folgen selbst tragen kann; wer ihm die Wahl abnimmt, nimmt ihm auch die Verantwortung. Abbildung 3 nennt deshalb als Grundlage des Kollektivismus die „Zentralisierung und Abgabe von Verantwortung an den Souverän“.
  2. Der Souverän kennt die Einzelnen nicht. Das ist Hayeks Wissensproblem (Die Anmaßung von Wissen, 1974): Das Wissen über die besonderen Umstände von Menschen ist auf viele verteilt und lässt sich zentral nicht einholen. Wer trotzdem zentral regelt, muss vereinfachen – er behandelt Menschen als Exemplare einer Menge. Damit geht verloren, was Hilfe erst möglich macht: Empathie und der Blick auf den Einzelfall.
  3. Gehorsam ist nicht Hingabe. Wer sich fügt, um nicht aufzufallen, nicht bestraft zu werden oder zur Mehrheit zu gehören, handelt für sich, nicht für andere – so verstehen wir, was Nietzsche „Herde“ nannte. Und wer Abweichler bestraft, um die eigenen Werte durchzusetzen, handelt nach Tobias O. R. Alke nicht altruistisch: Die „altruistische Bestrafung“ müsse „eher als egoistische Bestrafung bezeichnet werden“.
  4. Gemeingüter ziehen Trittbrettfahrer an. Kollektivistisch organisierte Systeme sind nach den Studien der Arbeit anfälliger für Trittbrettfahrerei – und gerade diejenigen, die das Gemeinsame übernutzen, rufen nach dem Souverän, der Ordnung schaffen soll.
  5. Vorteile zu Lasten anderer werden hingenommen. Ein Apparat, der seine Existenz daraus bezieht, Abweichung zu verwalten, neigt dazu, sich selbst zu erhalten – auf Kosten des Wohlstands aller und zugunsten weniger, die sich dem freien Wettbewerb entziehen. Tabelle 11 führt die „Akzeptanz von vorteilhaften Ungleichgewichten zu Lasten anderer“ deshalb auf der kollektivistischen Seite.

Hayeks Kritik richtete sich gegen die zentrale Planung – gegen den Sozialismus als Planwirtschaft ebenso wie gegen jede andere Ordnung, die das Leben von oben lenken will. Wir übernehmen sie als Kritik an einem Mechanismus, nicht an Menschen, Parteien oder Ländern: Jedes System kann in diesen Mechanismus kippen (siehe unten, Es liegt nicht am System, sondern an der Reife). Harald Alke beschreibt seine Triebfeder (siehe Angst): Aus der Angst, etwas nicht kontrollieren zu können, entsteht der Wunsch, Umwelt und Mitmenschen zu kontrollieren. „Diktat und die Ausübung von Macht sind Zeichen schlechter Beobachtung und einer offenen oder inneren Angst.“

Und Individualismus ist nicht Egoismus. Ein gesunder Eigennutz – die Sorge für sich selbst, das Vertreten eigener Interessen – ist legitim und Bedingung der eigenen Identität (siehe Selbstfürsorge). Problematisch wird Egoismus erst, wo er sich Vorteile zu Lasten anderer verschafft – und das gelingt nach unserer Sicht gerade dort, wo Zwang und Privilegien den freien Austausch ersetzen. Wo Menschen frei tauschen, entsteht der Preis aus vielen Entscheidungen statt aus einer; Leistung und Gegenleistung bleiben sichtbar. Das Bild vom Menschen als reinem Gewinnmaximierer ist dabei ein theoretisches Modell, das die neuere Forschung nicht bestätigt – siehe Die prosoziale Natur des Menschen.

Helfen heißt, die Freiheit des anderen zu achten

Die Werke Harald Alkes fügen einen Gedanken hinzu, der der akademischen Debatte oft fehlt: Hilfe respektiert die Selbstbestimmung des anderen. „Ich mische mich nicht ein und nehme ihm keine Erfahrungen vorweg. Ich helfe ihm nur, wenn es mich dazu auffordert.“ Und im Beratungsgespräch: „Glauben Sie niemals, daß Sie genau oder gar besser als er wissen, welche Bedeutung etwas für ihn hat!“ Das ist Hayeks Wissensproblem in der einzelnen Begegnung.

Diese Zurückhaltung gilt für die Lebensführung eines anderen. In einer Notlage wird ungefragt geholfen – so wie die Menschen, die unter Lebensgefahr Verfolgte retteten. Beides passt zusammen: Respekt vor der Selbstbestimmung, wo sie ausgeübt werden kann; Beistand, wo sie gerade nicht ausgeübt werden kann.

Gleichwertig, aber nicht gleich

„Allerdings ist ein hierarchisch höher gestellter Mensch deswegen nicht gleich ein besserer Mensch“, heißt es in der Arbeit von 2017 – und ein niedriger gestellter ebenso wenig. Das bestreitet den höheren Wert einer Person, nicht Unterschiede in Fähigkeit, Reife und Zuständigkeit: Hierarchien sind für Verantwortungsbereiche oft notwendig. Menschen haben verschiedene Stärken und Schwächen – das macht sie aus und ist nichts Schlechtes. Gleichwertigkeit setzt keine Gleichheit voraus.

Harald Alke sagt es so: „Die gesellschaftliche Position und der Bildungsgrad sagen also nichts über den Grad an Bewußtsein aus.“ Und als Merksatz: „Herrschen kann nur, wer dienen gelernt hat!“

Individualismus als Bedingung des Altruismus

Daraus folgt unsere eigentliche Position: eine freiwillige, individuell verantwortete Prosozialität – getragen von einer inneren Ethik und dem Bewusstsein der Verantwortung, nicht von Verordnung und Strafe.

Solidarität und Individualität bedingen sich. Émile Durkheim zeigt in seiner Studie über die soziale Arbeitsteilung (1893): Solidarität entsteht aus Arbeitsteilung – gerade weil jeder etwas Eigenes beiträgt und darum auf die anderen angewiesen ist. Der Einzelne wird zugleich eigenständiger und solidarischer; die Grundlage dieser Solidarität ist für Durkheim der Altruismus. Der Soziologe Michael Baurmann liest ihn deshalb als verdeckten Individualisten. Marcel Mauss verlangt ein Gleichgewicht: einen wachen Sinn für sich selbst, aber auch für die anderen – zu viel Hingabe schade ebenso wie Selbstsucht. Die Arbeit von 2017 nennt die Gabe den „Kitt“ der Gesellschaft; sie lebt von Menschen, die etwas Eigenes zu geben haben und die Erwiderung des anderen zulassen. Ohne Individualität, so die Arbeit von 2017, wäre Solidarität nur „das strikte, rationale und emotional kalte Befolgen von ‚berechneten‘ Zwängen“. In der Handlungsgrundlage des Kyborg Instituts heißt es entsprechend: „Wir leben und handeln danach zum Wohle Aller und unserer Selbst.“

Das zeigt sich konkret im wechselseitigen Geben und Nehmen (Reziprozität), in einer Gemeinschaft, die uns stärkt, und in der gelebten Nächstenliebe – immer freiwillig, nie über Druck, Schuld oder Angst. So verstanden ist Individualismus kein Gegensatz zum Gemeinsinn, sondern seine Voraussetzung.

Es liegt nicht am System, sondern an der Reife

Die Geschichte legt nahe, dass jedes politische System früher oder später dazu neigt, übergriffig zu werden: Macht zieht Macht an, Ordnungen verkrusten, und die Apparate fangen an, sich selbst zu dienen statt den Menschen. Der Ökonom Mancur Olson hat beschrieben, wie reife Gesellschaften von Interessen- und Verteilungskoalitionen durchzogen werden, die das Ganze lähmen. Harald Alke sah denselben Mechanismus ohne Rangordnung: „Egal ob westlich-christlich-technologische Welt oder östlich-chinesisch-pragmatische Welt, oder die indisch-religiös-modernisierte Welt, jedes System versucht sich selbst zu erhalten.“ Kein Etikett – ob „links“ oder „rechts“, ob Plan oder Markt – ist davor gefeit.

Daraus folgt für uns: Es gibt nicht das eine richtige System, das uns die Mündigkeit abnimmt. Der eigentliche Schutz vor Übergriffigkeit ist die Reife und Selbstverantwortung der Menschen selbst. So wie sich Nächstenliebe nicht verordnen lässt, lässt sich auch eine freie Ordnung nicht von oben erzwingen. Und sie entsteht auch nicht aus Gegnerschaft – Harald Alke: „Der Kampf gegen etwas schafft nur neue Fronten.“

Das ist kein Grund zur Resignation, sondern eine Ermutigung: Wer bei sich selbst anfängt, ist dem Wandel nicht ausgeliefert. Reife wächst – beim Einzelnen wie in einer Gesellschaft.

Verwandte Begriffe

Zur Vertiefung: Wer beutet wirklich aus – Staat oder Markt?

Häufige Fragen

Was ist Kollektivismus – einfach erklärt?

Kollektivismus bedeutet, die Interessen und Bedürfnisse der Mehrheit grundsätzlich über die des Einzelnen und der Minderheiten zu stellen. Der Einzelne wird dem Ganzen untergeordnet – im Zweifel auch gegen seinen Willen. Der Gedanke, das Ganze über den Einzelnen zu stellen, hat einen prominenten Vertreter in Auguste Comte, der das Wort „Altruismus“ prägte; das Wort „Kollektivismus“ benutzte er nicht – es ist unser Begriff für diese Ordnung.

Was ist Individualismus – einfach erklärt?

Individualismus ist die Gegenperspektive: Er erkennt die Gemeinschaft an, setzt ihrem Vorrang aber Grenzen und schützt den Einzelnen davor, der Masse geopfert zu werden. Aus unserer Sicht heißt das nicht „jeder für sich“, sondern: freiwillig statt erzwungen – und gerade deshalb tendenziell altruistisch.

Ist Individualismus dasselbe wie Egoismus?

Nein. Egoismus handelt auf Kosten anderer, Individualismus schützt den Spielraum des Einzelnen. Studien zeigen sogar, dass Menschen, die weniger eng an Verwandtschaft und Binnengruppe gebunden sind, Fremden gegenüber eher vertrauen, fair sind und helfen.

Sind Menschen in „kollektivistischen Kulturen“ weniger hilfsbereit?

Nein, und so ist dieser Eintrag auch nicht gemeint. Die Kulturpsychologie versteht unter Kollektivismus eine enge Bindung an Familie und Gruppe – das ist etwas anderes als Zwang durch eine Mehrheit. Die größte Vergleichsstudie zur Kooperation unter Fremden findet zwischen Gesellschaften nur sehr wenig Unterschied. Ein Landesdurchschnitt sagt ohnehin nichts über einen einzelnen Menschen.

Ist Konformität schlecht?

Nicht an sich. Konformität verstärkt, was eine Gruppe vorgibt – Großzügigkeit ebenso wie Abgrenzung. Prosozial wirkt sie, wo sie geteilte, gewachsene Werte wiedergibt; schädlich wird sie, wo Druck an die Stelle von Überzeugung tritt oder Menschen ihre eigene Herkunft und die Interessen anderer verleugnen müssen.

Ist das eine Kritik am Sozialismus?

Sie richtet sich gegen den kollektivistischen Zwangskern – dagegen, dass der Einzelne der Masse unterworfen und das Leben zentral geplant wird. Darin folgen wir Friedrich August von Hayek. Sie richtet sich nicht gegen Solidarität oder Zusammenhalt und nicht gegen eine Partei. Echte Hilfsbereitschaft halten wir für etwas Freiwilliges, das sich nicht verordnen lässt.

Warum soll Kollektivismus egoistisch sein?

Aus unserer Sicht, weil er die Verantwortung vom Einzelnen auf eine zentrale Instanz verlagert, die die Menschen nicht kennen kann (Hayeks Wissensproblem). Gehorsam aus Angst vor Strafe oder Ausgrenzung ist Selbstschutz, keine Hingabe; Bestrafen zur Durchsetzung eigener Werte ist eher egoistisch als altruistisch; und Gemeingüter ziehen Trittbrettfahrer an, die dann nach dem Souverän rufen.

Seid ihr dann für ungezügelten Kapitalismus?

Wir sind für den freien Austausch, in dem der Preis aus vielen Entscheidungen entsteht – er ist individualistisch und lässt Leistung und Gegenleistung sichtbar. Vorteile zu Lasten anderer lehnen wir ab; sie entstehen nach unserer Sicht vor allem dort, wo Zwang und Privilegien den freien Austausch ersetzen. Kein System ist davor gefeit – der Schutz liegt in der Reife der Menschen.

Was meint „die Gemeinschaft steht nicht über dem Individuum“?

Es ist die Kernformel dieses Eintrags: Die Gemeinschaft steht genauso wenig über dem Individuum wie das Individuum über der Gemeinschaft. Beide sind gleich wichtig – ein Mensch ist nicht deshalb mehr wert, weil er höher oder tiefer in einer Ordnung steht.

Liegt es nicht einfach am richtigen politischen System?

Aus unserer Sicht nicht. Die Geschichte zeigt, dass jedes System mit der Zeit zur Übergriffigkeit neigt. Der eigentliche Schutz ist deshalb nicht eine bessere Verfassung oder ein besserer Herrscher, sondern die Reife und Selbstverantwortung der Menschen selbst. Eine freie Ordnung lässt sich nicht von oben erzwingen.

Verwandte Standpunkte & Aktuelles

Änderungsverlauf · zuletzt aktualisiert am
  • — Darstellung Comtes am Original geprüft und präzisiert: Herkunft mit Comtes eigenem Wortlaut belegt, „Kollektivismus“ als unser Begriff gekennzeichnet; Verweis auf den neuen Eintrag „Altruismus bei Comte“.
  • — Nietzsches Begriffe „Sklavenmoral“ und „Herde“ am Original genauer gefasst und unsere Lesart davon unterschieden.
  • — Abschnitt zu Thomas Nagel genauer gefasst: Was er selbst begründet und welche Folgerung zur Freiheit unsere Lesart ist.
  • — Angaben zu einer zitierten Studie aus Papua-Neuguinea präzisiert: Es ist eine eigene Untersuchung, kein Kontrollversuch; die Kritik an von außen vorgegebenen Spielregeln bleibt. Quelle ergänzt.
  • — Die Darstellung von Thomas Hobbes am Leviathan präzisiert: Er beschreibt einen Zustand ohne gemeinsame Ordnung, nicht einen „geborenen Egoisten“.
  • — Abschnitt zu Émile Durkheim am französischen Original präzisiert: Solidarität aus Ergänzung, Altruismus als ihre Grundlage.
  • — Die Darstellung von Marcel Mauss am französischen Original geschärft: Er verlangt ein Gleichgewicht zwischen dem Sinn für sich selbst und für die anderen.
  • — Eintrag grundlegend erweitert, mit Vergleichstabelle und Schaubild: warum Kollektivismus tendenziell egoistisch und Individualismus tendenziell altruistisch wirkt (mit Hayek), Unterschied zum Kollektivismus-Begriff der Kulturforschung, Forschungsstand seit 2013 (Erziehung, Konformität, Vertrauen in Fremde, Gemeinschaftsgüter), Hilfe als Achtung der Freiheit des anderen, Gleichwertigkeit und Unterschiedlichkeit, ein Beispiel aus dem Leben des Instituts.
  • — Querverweis auf den neuen Eintrag „Die prosoziale Natur des Menschen“ ergänzt.
  • — Neuer Begriffseintrag angelegt: Kollektivismus und Individualismus als zwei Ordnungsmodelle erklärt, gestützt auf die Werke „Ausgewählte Perspektiven des Altruismus” (Tobias Alke) und „Die Ethik des Neuen Menschen” (Harald Alke); kritische Einordnung als ausdrücklich subjektive Sicht.
  • — Abschnitt ergänzt: Warum es nicht am politischen System liegt, sondern an der Reife und Selbstverantwortung der Menschen.

Quellen

  • Tobias O. R. Alke: Ausgewählte Perspektiven des Altruismus. Eine interdisziplinäre Anregung der Soziologie und ihr Gewicht im Altruismusdiskurs von 1990 bis 2013 im Überblick. Kyborg Institut und Verlag, 2017. ISBN 978-3-96104-027-8. Eintrag Deutsche Nationalbibliothek
  • Tobias O. R. Alke: Der emotionale Grundstein des Kindes. Pränatale Sozialisation – Biologische Umwelt – Individuelle Chronik. Flörsheim-Dalsheim: Kyborg Institut & Verlag, 2016.
  • D. Harald Alke: Die Ethik des Neuen Menschen. Ethik, Moral, Glaube und Verantwortung. Kyborg Institut und Verlag, 1993 (4. Auflage 2016). ISBN 978-3-924722-04-3. Eintrag Deutsche Nationalbibliothek
  • D. Harald Alke: Energytraining Band 1, Energie für Millionen, Mahatma (Lebenserinnerungen) und Kyborg-Lexikon. Kyborg Institut & Verlag.
  • Auguste Comte: Discours sur l'esprit positif (1844) – das theologische Denken sei „essentiellement individuelle, et jamais directement collective“, der positive Geist „directement social“ (dt. Fetscher 1994: 79 f.); das Wort „Kollektivismus“ gebraucht Comte nicht. Volltext (Wikisource)
  • Friedrich Nietzsche: Zur Genealogie der Moral (1887) und Jenseits von Gut und Böse (1886) – Kritik an „Sklavenmoral“ und „Herden-Moral“. Volltext (Projekt Gutenberg)
  • Thomas Hobbes: Leviathan (1651) – Modell einer künstlichen, von oben gesetzten Ordnung. Volltext (Project Gutenberg)
  • Laozi: Tao Te King – „Je mehr Verordnungen erlassen werden, desto mehr zerfällt die natürliche Ordnung.“ Volltext, Übs. Richard Wilhelm (Projekt Gutenberg)
  • Friedrich August von Hayek: Der Weg zur Knechtschaft (1944) und Die Anmaßung von Wissen (Nobelpreisrede 1974).
  • Mancur Olson: The Rise and Decline of Nations (1982) – zur Verkrustung reifer Gesellschaften durch Interessen- und Verteilungskoalitionen. Yale University Press
  • Thomas Nagel: Die Möglichkeit des Altruismus (2. Aufl. 2005). Berlin/Wien: Philo.
  • Michael Baurmann: Durkheims individualistische Theorie der sozialen Arbeitsteilung. In: Jürgen Friedrichs & Wolfgang Jagodzinski (Hrsg.): Soziale Integration. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1999, 85–114.
  • Marcel Mauss: Die Gabe. Form und Funktion des Austauschs in archaischen Gesellschaften (1990). Frankfurt/M.: Suhrkamp.
  • Ernst Fehr & Simon Gächter: Altruistic punishment in humans. In: Nature 415 (2002), 137–140. doi.org/10.1038/415137a
  • Helen Bernhard, Urs Fischbacher & Ernst Fehr: Parochial altruism in humans. In: Nature 442 (2006), 912–915. doi.org/10.1038/nature04981
  • Theo von Däniken: Die dunkle Seite des Altruismus. In: UZH News, Universität Zürich, 24.08.2006.
  • Toko Kiyonari & Pat Barclay: Cooperation in social dilemmas: Free riding may be thwarted by second-order reward rather than by punishment. In: Journal of Personality and Social Psychology 95 (2008), 826–842.
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  • Benjamin Enke: Kinship, cooperation, and the evolution of moral systems. In: The Quarterly Journal of Economics 134 (2019), 953–1019. doi.org/10.1093/qje/qjz001
  • Gil Luria, Ram A. Cnaan & Amnon Boehm: National culture and prosocial behaviors: Results from 66 countries. In: Nonprofit and Voluntary Sector Quarterly 44 (2015), 1041–1065. doi.org/10.1177/0899764014554456
  • Christian Welzel & Jan Delhey: Generalizing trust: The benign force of emancipation. In: Journal of Cross-Cultural Psychology 46 (2015), 875–896. doi.org/10.1177/0022022115588366
  • Giuliana Spadaro u. a.: Cross-cultural variation in cooperation: A meta-analysis. In: Journal of Personality and Social Psychology 123 (2022), 1024–1088. doi.org/10.1037/pspi0000389
  • Ori Weisel & Robert Böhm: „Ingroup love“ and „outgroup hate“ in intergroup conflict between natural groups. In: Journal of Experimental Social Psychology 60 (2015), 110–120. doi.org/10.1016/j.jesp.2015.04.008
  • Erik C. Nook, Desmond C. Ong, Sylvia A. Morelli, Jason P. Mitchell & Jamil Zaki: Prosocial conformity: Prosocial norms generalize across behavior and empathy. In: Personality and Social Psychology Bulletin 42 (2016), 1045–1062. doi.org/10.1177/0146167216649932
  • S. Alexander Haslam, Stephen D. Reicher & Megan E. Birney: Nothing by mere authority: Evidence that in an experimental analogue of the Milgram paradigm participants are motivated not by orders but by appeals to science. In: Journal of Social Issues 70 (2014), 473–488. doi.org/10.1111/josi.12072
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Von D. Harald Alke, Tobias O. R. Alke

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