Egoismus
Egoismus ist der Eigennutz – die Neigung, den eigenen Vorteil in den Mittelpunkt zu stellen. Er ist das Gegenstück zum Altruismus, der Selbstlosigkeit. Am Kyborg Institut betrachten wir Egoismus nüchtern – und unterscheiden ihn klar von einer gesunden Selbstfürsorge.
Was ist Egoismus?
Der Begriff ist – wie „Altruismus” – vergleichsweise jung: Das Wort „Egoismus” wurde im 18. Jahrhundert geprägt. In der Ideengeschichte gilt Thomas Hobbes als stärkster Vertreter eines radikalen Egoismus: Er sah den Menschen als geborenen Egoisten, getrieben vom „Selbsterhaltungstrieb”. Auf diesem Bild baute er die Idee einer künstlichen Ordnung auf, der sich der Einzelne unterwerfen müsse.
Ist der Mensch nur ein Egoist?
Diese düstere Sicht ist umstritten. Wie Tobias Alke in seinem Fachbuch über Nächstenliebe und Altruismus zeigt, deutet neuere Forschung in eine andere Richtung: Der Mensch ist von Grund auf auch ein soziales, hilfsbereites Wesen (siehe Empathie). Egoismus und Altruismus sind dabei kein strenges Entweder-oder, sondern bilden ein Kontinuum – die meisten Menschen tragen beides in sich. Wie sich Eigennutz und Gemeinsinn ausbalancieren lassen, ohne dass einer den anderen erdrückt, behandelt der Eintrag Kollektivismus & Individualismus.
Egoismus ist nicht Selbstfürsorge
Wichtig ist eine Unterscheidung: Für sich selbst zu sorgen und eigene Interessen zu vertreten ist gesund und legitim – das ist Selbstfürsorge, nicht Egoismus. Problematisch wird Eigennutz erst, wenn er auf Kosten anderer geht. Wer für sich sorgt, um dauerhaft auch für andere da sein zu können, handelt nicht egoistisch, sondern klug.
Was heißt das praktisch?
- Eigennutz und Selbstfürsorge auseinanderhalten.
- Eigene Interessen vertreten – ohne andere zu übervorteilen.
- Den Menschen nicht auf den Egoisten reduzieren: Hilfsbereitschaft ist genauso angelegt.
Häufige Fragen
Was ist Egoismus – einfach erklärt?
Egoismus ist der Eigennutz: das eigene Vorteil-Denken in den Mittelpunkt zu stellen. Er ist das Gegenstück zum Altruismus, der Selbstlosigkeit.
Ist der Mensch von Natur aus egoistisch?
Das ist umstritten. Denker wie Thomas Hobbes sahen den Menschen als geborenen Egoisten. Neuere Forschung deutet aber darauf hin, dass der Mensch von Grund auf auch ein soziales, hilfsbereites Wesen ist.
Ist Egoismus dasselbe wie für sich selbst zu sorgen?
Nein. Für sich selbst zu sorgen und eigene Interessen zu vertreten ist gesund und legitim. Egoismus im negativen Sinn meint, das auf Kosten anderer zu tun. Selbstfürsorge ist kein Egoismus.
Änderungsverlauf · zuletzt aktualisiert am
- — Neuer Begriffseintrag „Egoismus” angelegt, gestützt auf das Altruismus-Fachbuch von Tobias Alke; klar von Selbstfürsorge abgegrenzt.
Quellen
- Tobias O. R. Alke: Ausgewählte Perspektiven des Altruismus. Eine interdisziplinäre Anregung der Soziologie und ihr Gewicht im Altruismusdiskurs von 1990 bis 2013 im Überblick. Kyborg Institut & Verlag, 2017. ISBN 978-3-96104-027-8.
Autor: Tobias O. R. Alke