Selbstfürsorge

Selbstfürsorge heißt schlicht: gut für sich selbst sorgen – auf die eigene Kraft, Gesundheit und Bedürfnisse achten. Am Kyborg Institut verstehen wir sie als Voraussetzung für Nächstenliebe: Nur wer für sich selbst sorgt, hat dauerhaft die Kraft, auch für andere da zu sein.

Selbstfürsorge gehört zur Ethik

Eine gelebte Ethik richtet sich auf das Wohl aller – einschließlich uns selbst. D. Harald Alke bringt es in „Die Ethik des Neuen Menschen” auf eine einfache Kurzformel:

„Tue Gutes, verletze niemand – auch nicht dich selbst.” — D. Harald Alke

Selbstfürsorge ist also kein Zusatz, sondern Teil der Haltung: Wer andere achtet, achtet auch sich selbst.

Kein Egoismus

Selbstfürsorge ist nicht Egoismus. Egoismus stellt den eigenen Vorteil auf Kosten anderer in den Mittelpunkt. Selbstfürsorge dagegen sorgt für die eigene Stabilität – damit man freiwillig und dauerhaft geben kann, ohne auszubrennen. Auch die Altruismus-Forschung betont: Selbstlosigkeit braucht Grenzen, sonst kippt sie in Selbstverlust. Sie ist damit Teil eines gesunden Individualismus, der die Gemeinschaft nicht ausschließt (mehr unter Kollektivismus & Individualismus).

Keine Selbstaufopferung

Nächstenliebe wird manchmal mit Selbstaufopferung verwechselt. Doch wer sich völlig aufgibt, läuft leer. Echte Zuwendung entsteht freiwillig und aus eigener Stabilität – nie über Druck, Schuld oder Angst.

Braucht gute Hilfe ein eigenes Selbst?

Ja. Nach der Forschung hilft echter, wer auch für sich sorgt – und wer sich beim Helfen ganz übergeht, ist häufiger belastet.

Tobias O. R. Alke hat 2017 geschrieben, Selbstaufopferung sei abzulehnen und dem eigenen Interesse gebühre Raum. Die Nachprüfung zeigt: Der Kern trägt – als Selbstachtung, nicht als Egoismus. Mehrere damals angeführte Belege sagen anderes, als die Arbeit annahm: Ein zitierter Autor grenzt seine Haltung ausdrücklich vom Egoismus ab, ein anderer behandelt die Grenzen erzwungener, nicht religiöser Hilfe. Getragen wird der Gedanke von einer Quelle, die die Arbeit an anderer Stelle selbst anführt: Ein ganz der Aufopferung gewidmetes Leben lässt kein eigenes Urteil und kein Selbstwertgefühl entstehen (Badhwar 1993). Das vermerkt die Neuausgabe.

D. Harald Alke sagt es aus eigener Erfahrung: „Wenn ich innerlich stabil bin, kann ich also meinen Mitmenschen sehr viel von dem geben, was sie selbst brauchen.“ Die alte Lehre, sich von allen Freuden, Freunden und Familien zu trennen, um nicht angreifbar zu sein, weist er zurück: „Der Meinung bin ich nicht.“ Sein Maßstab: „Ich habe stets darauf geachtet, daß die Bilanz in meinen Beziehungen ausgeglichen bleibt.“ Und zur Hilfe selbst: „Es darf nicht einseitig werden. Hilfe braucht eine positive Resonanz.“

Ob Helfen wehtun muss, behandelt der Eintrag Altruismus; wo Eigeninteresse beim Helfen seinen Platz hat, der Eintrag Egoismus.

Was heißt das praktisch?

Häufige Fragen

Hilft man besser, wenn man auch für sich selbst sorgt?

Nach der Forschung eher ja. Menschen, die gesund für sich sorgen, sind im Mittel auch aufrichtiger hilfsbereit. Wer die Bedürfnisse anderer dagegen ständig über die eigenen stellt und sich dabei selbst ausschließt, ist häufiger belastet. Hilfe aus freien Stücken tut beiden Seiten gut.

Was ist Selbstfürsorge – einfach erklärt?

Selbstfürsorge heißt, gut für sich selbst zu sorgen: auf die eigene Kraft, Gesundheit und Bedürfnisse zu achten. Nur wer für sich sorgt, hat dauerhaft die Kraft, auch für andere da zu sein.

Ist Selbstfürsorge egoistisch?

Nein. Egoismus stellt den eigenen Vorteil auf Kosten anderer in den Mittelpunkt. Selbstfürsorge sorgt für die eigene Stabilität – als Voraussetzung dafür, anderen freiwillig und dauerhaft helfen zu können.

Wie passt Selbstfürsorge zur Nächstenliebe?

Sie ist ihre Voraussetzung. „Tue Gutes, verletze niemand – auch nicht dich selbst”, heißt es am Kyborg Institut. Wer sich selbst übergeht, brennt aus – echte Zuwendung braucht eigene Stabilität.

Änderungsverlauf · zuletzt aktualisiert am
  • — Abschnitt ergänzt: Braucht gute Hilfe ein eigenes Selbst? – Forschung zu Selbstsorge und Hilfsbereitschaft, mit Quellen.
  • — Neuer Begriffseintrag „Selbstfürsorge” angelegt, gestützt auf „Die Ethik des Neuen Menschen” (Harald Alke) und das Altruismus-Fachbuch (Tobias Alke).

Quellen

  • D. Harald Alke: Die Ethik des Neuen Menschen. Ethik, Moral, Glaube und Verantwortung. Kyborg Institut & Verlag, 1993 (4. Auflage 2016).
  • Tobias O. R. Alke: Ausgewählte Perspektiven des Altruismus. Kyborg Institut & Verlag, 2017. ISBN 978-3-96104-027-8.
  • Heidi L. Fritz & Vicki S. Helgeson: Distinctions of unmitigated communion from communion: Self-neglect and overinvolvement with others. In: Journal of Personality and Social Psychology 75 (1998), 121–140. doi.org/10.1037/0022-3514.75.1.121
  • Bonnie M. Le, Emily A. Impett, Edward P. Lemay, Amy Muise & Konstantin O. Tskhay: Communal motivation and well-being in interpersonal relationships: An integrative review and meta-analysis. In: Psychological Bulletin 144 (2018), 1–25. doi.org/10.1037/bul0000133
  • Scott Barry Kaufman & Emanuel Jauk: Healthy selfishness and pathological altruism: Measuring two paradoxical forms of selfishness. In: Frontiers in Psychology 11 (2020), 1006. doi.org/10.3389/fpsyg.2020.01006
  • Floria H. N. Chio, Ben C. L. Yu, Yuke Fu, Jasmine H. M. Chio & Winnie W. S. Mak: The holistic view of compassion: A meta-analysis on the association of self-compassion, other-compassion, well-being and psychological distress. In: British Journal of Psychology (2026, online vorab). doi.org/10.1111/bjop.70102
  • Claus Lamm, Henryk Bukowski & Giorgia Silani: From shared to distinct self–other representations in empathy. In: Philosophical Transactions of the Royal Society B 371 (2016), 20150083. doi.org/10.1098/rstb.2015.0083
  • Netta Weinstein & Richard M. Ryan: When helping helps: Autonomous motivation for prosocial behavior and its influence on well-being for the helper and recipient. In: Journal of Personality and Social Psychology 98 (2010), 222–244. doi.org/10.1037/a0016984
  • Neera Kapur Badhwar: Altruism versus self-interest: Sometimes a false dichotomy. In: Social Philosophy and Policy 10 (1993), 90–117. doi.org/10.1017/S0265052500004039
  • D. Harald Alke: Mahatma – Die große Seele der Natur (Lebenserinnerungen); Mental Basics. Kyborg Institut & Verlag.

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Von D. Harald Alke, Tobias O. R. Alke

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