Die Bedeutung des Einzelnen

Autor: Tobias O. R. Alke

Standpunkt statt Lexikon. Ein persönliches Statement von Tobias Alke. Hintergrundwissen: Lexikon-Eintrag Kollektivismus und Individualismus.

Wie wir zu dem werden, was wir sind

KI-generierte Illustration: ein Mensch meditiert im Schneidersitz unter einem großen, leuchtenden Lebensbaum vor einem wirbelnden, van-Gogh-artigen Sternenhimmel. KI-Illustration

Wenn wir auf die Welt kommen und das erste Licht erblicken, müssen wir erst lernen, unsere Augen zu benutzen. Es schmerzt am Anfang, verlangt uns alles ab, doch nach einiger Zeit kommen wir damit klar. Selbst das Atmen müssen wir in den ersten Minuten erst erlernen, denn im Mutterleib waren unsere Lungen noch nie aktiv.

Später lernen wir krabbeln, dann laufen und sprechen. Unsere Sinne nehmen immer vielfältigere Bereiche des Lebens wahr. Wir kämpfen uns hoch, lernen dazu und orientieren uns an unseren Mitmenschen – im optimalen Fall an unseren Eltern. Später kommen Lehrer dazu und Personen, die uns beeindrucken. Schicht um Schicht bildet sich unsere Persönlichkeit, baut auf den Fundamenten unserer Erfahrungen auf und auf den Erzählungen, denen wir Beachtung schenken.

Wenn die Gruppe zum Gefängnis wird

In Zeiten der Fülle erhalten wir weit mehr Unterstützung als unsere Vorfahren, die diesen Überfluss erst erarbeiten mussten. Wir kennen ihre Entbehrungen nicht und fühlen uns sicher in der Menge der Vielen. Der Kampf scheint nicht mehr nötig. Erzählungen treten an die Stelle von Erfahrungen, und die Geschichten verändern sich mit jeder Generation.

So kann der Hochmut um sich greifen, und die Dinge, die im Leben wichtig sind, geraten in Vergessenheit. Die Sicherheit der Gruppe wird dann zum Gefängnis des Einzelnen – er hat verlernt, auf sich selbst zu achten. Wo niemand mehr Verantwortung übernimmt, ergreifen leicht jene die Deutungshoheit, die am schnellsten urteilen und am lautesten daran erinnern, dass nur die Gruppe Sicherheit biete.

Dabei erwacht in manchen der Urinstinkt, die Kraft der eigenen Geburt kehrt zurück und schafft Neues. Wohlstand kann zurückkehren, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Wir lernen aus Fehlern, um zu wachsen. Oder wir versuchen, jeden Fehler zu vermeiden – und binden uns auf ewig an die endlose Wiederholung des größten Fehlers: jeden Fehler vermeiden zu wollen.

Wohlstand entsteht aus Entwicklung

Wer seinen Kindern eine lebenswerte Gesellschaft hinterlassen will, muss bereit sein, selbst Verantwortung zu übernehmen und aus Fehlern zu lernen. Entwicklung hat noch nie in der Konformität stattgefunden – diese dient nur der Konservierung des Bestehenden. Da die Welt sich aber weiterdreht, ist der Stillstand im Schutz der Gruppe ein schleichendes Risiko für die Zukunft.

Wahrer Wohlstand entsteht aus Veränderung, die Einzelne anstoßen. Das heißt nicht, Gemeinschaft und Tradition geringzuschätzen: Traditionen bieten Leitideale – sie müssen nur von Zeit zu Zeit angepasst werden. Wer sich dagegen jeder Veränderung verweigert, schadet am Ende allen. Es geht also um ein Gleichgewicht: den Einzelkämpfern Raum zur Entfaltung lassen und zugleich mit der Klugheit der Vielen kritisch ins Gericht gehen. Denn Angst war schon immer ein schlechter Ratgeber.

Sei ein Vorbild

Wer Wohlstand und Entwicklung fördern will, muss selbst neue Wege gehen – nicht andere zu Prüfungen auffordern, die er selbst nie verstanden hat. Sei ein Vorbild und gehe deinen eigenen Weg, erinnere dich an die Kraft deiner Geburt, das Herz eines Löwen, und bedenke, was du deinen Kindern hinterlassen willst.

Dein Tobias aus dem Kyborg Institut

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Häufige Fragen

Worum geht es in diesem Standpunkt?

Um Eigenverantwortung und den Mut, eigene Wege zu gehen: Tobias Alke argumentiert, dass Entwicklung und Wohlstand aus Einzelnen entstehen, die Verantwortung übernehmen und aus Fehlern lernen. Eine weltanschauliche Sicht.

Richtet sich der Text gegen Gemeinschaft?

Nein. Tradition und Gemeinschaft bieten wichtige Leitideale; sie müssen nur von Zeit zu Zeit angepasst werden. Kritisiert wird die erstarrte Konformität, nicht die Gemeinschaft selbst.

Wie hängt das mit dem Kyborg-Institut-Denken zusammen?

Es schließt an das Spannungsfeld von Kollektivismus und Individualismus an – mit dem Ziel eines reifen Gleichgewichts aus innerer Eigenständigkeit und sozialer Verantwortung.

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