Kundalini
Kundalini – von Sanskrit kuṇḍalinī, „die Geringelte“ (von kuṇḍala, Ring, Windung) – ist nach yogischer Lehre die Basisenergie des Menschen. Das Bild dafür ist die „schlafende Schlange“, die zusammengerollt am unteren Ende der Wirbelsäule ruht. Am Kyborg Institut ist sie mehr als ein Begriff: Sie steht im Namen – Kyborg heißt Kundalini Yoga based Organisation. Wir beschreiben Kundalini als Erfahrungslehre einer alten Tradition. Über die Energiezentren und ihre gemeinsame Quelle, die Kundalini, hält D. Harald Alke selbst fest: „Sie können noch nicht direkt gemessen werden.“
Was ist Kundalini?
„Die Kundalini ist die Basis-Energie eines jeden Lebewesens, die ein ungeheures Kraftpotential darstellt, im normalen Leben ruht und nur in Notfällen oder durch gezielte Übungen voll aktiviert wird.“ So definiert Energytraining den Begriff. Sie ist die gemeinsame Quelle der Energiezentren, der Chakras, und – in einem schönen Bild aus der Tarot-Deutung – „die Kundalini, die uns in Bewegung hält, mal bewußt, mal unbewußt“.
Nach unserer weltanschaulichen Überzeugung reicht ihre Rolle über ein einzelnes Leben hinaus: Sie ist die Energie, „die ab und zu aktiviert wird, um uns ins Leben zu rufen, am Leben zu erhalten oder eines Tages unsere Erfahrungen aus dieser Inkarnation aufzunehmen und in einen anderen Körper hinüberzutragen“ (siehe Reinkarnation).
Die indische Tradition fasst dieses Kraftfeld als Shiva-Shakti: „die männlich-weibliche Urkraft des Universums“. Shakti, die weibliche, bewegende Kraft, ist in dieser Lehre die Kundalini selbst.
Wie steigt die Kundalini auf?
„Durch die Wirbelsäule fließen die wichtigsten Energiekanäle, Ida, Pingala und die Shushumna. Durch den Zentralkanal der Shushumna steigt die Kundalini auf.“ Dabei durchläuft sie die Chakras vom Becken bis zum Scheitel. Wer das erlebt, beschreibt es oft körperlich: Sie kann „gleich einem heißen, gleißend hellen Impuls durch unsere Wirbelsäule aufsteigen bis zum Kopfzentrum. Das wird als heißer Strom im Rücken wahrgenommen.“ Andere spüren Hitzeimpulse im Unterleib, die durch den ganzen Körper laufen.
Die Überlieferung kennt dafür die Bandhas, innere „Verschlüsse“, mit denen Yogis die Energie lenken – allen voran Mulabandha, auf Deutsch „das Wurzelband zusammenziehen“, ein sanftes Anspannen des Beckenbodens.
Wichtig ist der Unterschied zwischen einem kurzen Erlebnis und einer Wandlung: Ein Mensch kann „einen Flash der Kundalini“ erleben – oder er bekommt dauerhaft „ein neues Bewußtsein“. Das Zweite braucht Zeit. „Heute weiß ich, daß dieser Weg nie zu Ende gehen wird.“
Was ist Kundalini Yoga?
Kundalini Yoga ist der Übungsweg, der auf diese Energie ausgerichtet ist. Er verbindet „Körperübungen (Asanas), Atemübungen (Pranayama), Mantra-Meditationen, stille Meditation, Dharmayoga (Dienst am Nächsten, bewußte und vorbildliche Lebensführung), Karmayoga (Aufarbeitung des eigenen Karmas)“ – siehe Yoga, Pranayama, Meditation, Karma.
Einige Kennzeichen:
- Mitten im Leben: „In der Tradition des Kundalini Yoga wird nicht erwartet, daß jemand als Yogi oder als Fakir in die Berge geht und sich dort seinen Übungen hingibt.“ Familie und Beruf gehören dazu – und: „Zum Kundalini-Yoga gehört ebenso wie zum Energytraining die Übernahme von gesellschaftlichen Verpflichtungen.“
- Mantras: Sie spielen eine große Rolle, meist in Silben aus dem Sanskrit. Das bekannteste ist Sat Nam: „Sat = das Sein, die Existenz. Nam = der Name, etwas erkennen und benennen.“
- Der Feueratem: ein schneller, hechelnder Zwerchfellatem mit betonter Ausatmung – „Wenn ein Hund schnell gelaufen ist, bleibt er stehen und beginnt zu hecheln. Das ist eigentlich schon der Feueratem.“
- Das Bild vom Instrument: „Man kann mit Recht sagen, daß durch die Methode des Kundalini Yoga unser Körper wie ein Instrument gestimmt wird.“
- Ethik des Lehrens: „Kundalini-Yoga wird unterrichtet, um der individuellen Vervollkommnung willen, nicht aus Profitgründen, Prestige oder um der Show willen.“ Und der Lehrer soll seine Schüler nicht antreiben, sondern aufklären.
Am Institut steht Kundalini Yoga nicht allein. D. Harald Alke verband es mit dem Zen, das er bei Roshi Tetsuo Nagaya lernte: „Es gleicht dem Balken einer Waage. In der einen Schale befindet sich Kundalini Yoga, in der anderen ZEN.“
→ Mehr zur Methode, wie sie am Institut unterrichtet wird: Energytraining.
Ist das Erwachen der Kundalini gefährlich?
Die ehrliche Antwort des eigenen Werks lautet: Es kommt auf die Vorbereitung an. „Wenn Sie vorbereitet sind und sich nicht sperren, ist es wunderbar. Wenn jemand jedoch spontan von derartigen Zuständen überfallen wird, dann kann das zu panikartigen Gefühlen führen.“ Und: „Ohne Vorkenntnis kann ein Mensch dadurch völlig verwirrt werden.“
Deshalb gehören zum Weg:
- Wissen. „Das Wissen um diese Dinge bedeutet bereits einen Schutz vor geistiger Verwirrung.“
- Der passende Lehrer. „Die ausgewählte Methode muß zum Schüler passen, und der Lehrer muß zu Dir passen!“
- Bewährte Übungsreihen statt eigener Experimente – die Methoden sollen so geübt werden, wie sie „auf Grund von langen Erfahrungen vorgegeben werden“; ohne Ehrgeiz und Zwang.
- Erdung. „Also sollten wir im Zentrum unserer Bemühungen das aktuelle Leben weiter entwickeln.“
- Keine Erwartung. „Das muß auch nicht bei jedem Menschen so sein. Viele meiner Schüler haben keinerlei einschlägige Erlebnisse.“ Und: „Natürlich ist das kein Muß.“
Die Fachliteratur, die das Institut selbst führt, beschreibt starke körperliche und seelische Begleiterscheinungen eines Kundalini-Erwachens ausführlich – etwa Lee Sannella und John White –, und wer danach anhaltend belastet ist, lässt sich am besten ärztlich oder psychotherapeutisch begleiten.
Woher stammt die Tradition?
Kundalini ist ein Begriff des Tantra und des Hatha-Yoga; im Westen bekannt wurde er vor allem durch The Serpent Power (1919) von Arthur Avalon, hinter dem der britische Richter Sir John Woodroffe stand – nach D. Harald Alke „die bis heute einmalig wertvollen und ernsthaften Übersetzungen“. Kundalini Yoga als eigener Übungsweg wurde ab 1969 von Yogi Bhajan im Westen unterrichtet; er war der Lehrer, bei dem D. Harald Alke lernte, und ihm verdankt die Richtung ihre Betonung der Mantrameditation und des Energiekörpers.
Auch Naturwissenschaftler haben die Kundalini-Erfahrung ernst genommen, ohne sie zu bestätigen: Der Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker schrieb 1971 die Einführung zu einem Buch des indischen Autors Gopi Krishna über dessen Kundalini-Erleben – und nannte ihn sinngemäß nicht immer einen kompetenten Analytiker, wohl aber einen Augenzeugen der Wahrheit, die er vertrete.
Andere Kulturen setzen andere Schwerpunkte, und wir stellen sie gleichwertig nebeneinander: „Ebenso ist den Japanern oder den Chinesen das Hara-Zentrum, das 3. Chakra mit seiner weltlichen Macht, viel wichtiger als das 4. Chakra, welches die Kundalini Yogis betonen.“ Auch zum Christentum sieht D. Harald Alke „keinen Konflikt …, nur Unterschiede in der Methode, nicht jedoch im Sinn oder Ziel“. Tobias Alke beschreibt Spiritualität in diesem Sinn als bedingungsloses Folgen des eigenen Weges – so, wie es das traditionelle Kundalini Yoga vermittelt.
Wie kam das Kyborg Institut zu seinem Namen?
„Am 26.1.1976 besuchte ich meinen ersten Kurs in Kundalini Yoga in dem kurz zuvor neu gegründeten Ashram in Hamburg.“ Von da an übte D. Harald Alke jeden Morgen eineinhalb Stunden Kundalini Yoga, eine Stunde Mantrameditation und abends stille Meditation. Eine Erinnerung aus jener Zeit: „Es war Ende Januar in Hamburg, kalt, aber ich strahlte eine innere Hitze aus, daß ich im Hemd laufen konnte und mir war fast noch zu warm.“
1980 ermutigte ihn sein Lehrer, ein eigenes Zentrum zu eröffnen. Den Namen fand er 1985 auf eine Weise, die zur Sache passt: „Bei einem Besuch in Amsterdam meditierte ich auf diese Aufgabe, und in meinem Kopf entstand der Begriff Kyborg.“ Die Bedeutung kam erst danach: „Erst einige Zeit später in einer anderen Meditation wurde mir bewußt, daß der Begriff Kyborg die Abkürzung für ‚Kundalini Yoga based Organisation‘ sein sollte.“ Im selben Jahr wurde das Institut gegründet.
Für den eigenen Unterricht übersetzte er „Kundalini Yoga“ später in Energytraining – weil über den fremden Namen viele Gerüchte kursierten. Sein Kommentar: „Schon lustig, wie sich die Menschen an der Etikette orientieren.“ Weitergegeben wird der Weg nach dem Bild des goldenen Fadens: „So geben die Meister den Schülern den goldenen Faden an die Hand, den sie selbst einige Jahre lang hielten und verfolgten, und die Schüler werden ihm weiter folgen, zu Meistern werden und ihn weiter geben.“
Eine Anekdote aus dem ersten Übungsjahr erzählt der Standpunkt Der Wettermacher (1976). Verwandte Begriffe: Energie, Prana, Chakra, Yoga.
Häufige Fragen
Was ist Kundalini?
Kundalini (Sanskrit kuṇḍalinī, „die Geringelte“) ist nach yogischer Lehre die Basisenergie des Menschen, bildhaft die „schlafende Schlange“ am unteren Ende der Wirbelsäule. Sie ruht im Alltag und kann durch Übung geweckt werden. Messen lässt sich diese Energie bisher nicht.
Was passiert, wenn die Kundalini erwacht?
Nach der Überlieferung steigt sie durch den Zentralkanal der Wirbelsäule, die Shushumna, bis zum Kopf auf. Viele nehmen sie „als heißer Strom im Rücken“ wahr, andere als Wärme, Wachheit oder ein verändertes Bewusstsein. Nicht jeder erlebt so etwas – und das ist in Ordnung.
Ist Kundalini gefährlich?
Wer vorbereitet ist, erlebt das Erwachen meist als beglückend. Wer unvorbereitet davon überrascht wird, kann nach unserer Erfahrung in Verwirrung oder Panik geraten. Darum gehören Wissen, ein passender Lehrer und bewährte Übungsreihen dazu.
Was ist Kundalini Yoga?
Ein Yogaweg aus Körperübungen (Asanas), Atemübungen (Pranayama), Mantra-Meditation, stiller Meditation sowie Dharma- und Karma-Yoga – ausdrücklich mitten im Leben, mit gesellschaftlichen Verpflichtungen, nicht als Rückzug in die Berge.
Wofür steht „Kyborg“?
Für „Kundalini Yoga based Organisation“. Der Name kam D. Harald Alke 1985 bei einem Besuch in Amsterdam in einer Meditation; dass er diese Abkürzung sein sollte, wurde ihm erst später bewusst. Mit „Cyborg“ hat er nichts zu tun.
Seit wann praktiziert das Kyborg Institut Kundalini Yoga?
D. Harald Alke besuchte seinen ersten Kurs am 26. Januar 1976 im damals neu gegründeten Hamburger Ashram. 1985 gründete er das Kyborg Institut; später übersetzte er „Kundalini Yoga“ für den eigenen Unterricht in „Energytraining“.
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Änderungsverlauf · zuletzt aktualisiert am
- — Hinweise gestrafft, Text klarer gefasst.
- — Eintrag aus dem eigenen Werk vertieft: Wortherkunft, eigene Definition, Aufstieg durch Shushumna und Chakren, Kundalini Yoga als Weg im Alltag, behutsames Üben, Herkunft der Tradition, die Geschichte des Instituts und seines Namens.
- — Neuer kanonischer Kernbegriff-Eintrag angelegt (spiritueller Markenkern).
Quellen
- D. Harald Alke: Energytraining Band 1. Kyborg Institut & Verlag – Kapitel zu Kundalini Yoga, Bandhas, Feueratem und zur Tradition des goldenen Fadens.
- D. Harald Alke: Kyborg-Lexikon. Kyborg Institut.
- D. Harald Alke: Die Ethik des Neuen Menschen. Ethik, Moral, Glaube und Verantwortung. Kyborg Institut und Verlag, 1993 (4. Auflage 2016). ISBN 978-3-924722-04-3.
- D. Harald Alke: Energie für Millionen. Kyborg Institut & Verlag.
- D. Harald Alke: Mahatma – Die große Seele der Natur (Lebenserinnerungen). Kyborg Institut & Verlag.
- Alke, Tobias O. R.: Ausgewählte Perspektiven des Altruismus. Kyborg Institut & Verlag – zu Spiritualität und eigenem Weg.
- Arthur Avalon (Sir John Woodroffe): The Serpent Power. London 1919.
- Gopi Krishna: The Biological Basis of Religion and Genius. Mit einer Einführung von Carl Friedrich von Weizsäcker. Harper & Row, New York 1972 (dt. Erstausgabe: Biologische Basis religiöser Erfahrung, Barth, Weilheim 1971).
- Lee Sannella: Kundalini-Erfahrung und die neuen Wissenschaften. Synthesis 1989 · John White (Hrsg.): Kundalini Energie. Goldmann 1990.
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