Feng Shui

Feng Shui (wörtlich „Wind und Wasser”) ist die über 2.500 Jahre alte chinesische Lehre, den Lebensraum bewusst zu gestalten – so, dass förderliche Energie gestärkt und belastende gemindert wird. Am Kyborg Institut nehmen wir Feng Shui ernst und wenden es an. Unsere Haltung dazu ist persönlich und weltanschaulich: Wir übernehmen das Prinzip und suchen die Form, die hierher passt – ein eigenständiges, europäisches Feng Shui, das der chinesischen Lehre nichts wegnimmt.

Was ist Feng Shui – und warum sind sich die Schulen uneinig?

Schon innerhalb des traditionellen Feng Shui gibt es keinen Konsens: Viele Regeln sind zwischen den Meistern umstritten, manches widerspricht sich offen. Das ist für uns kein Makel, sondern ein Hinweis – nämlich darauf, dass es sich um gewachsene Erfahrung handelt, nicht um exakte Wissenschaft. Auch alle anderen Kulturen kannten eine bewusste Gestaltung ihrer Bauten und Heiligtümer; in Europa gingen die germanischen und keltischen Entsprechungen mit der Christianisierung weitgehend verloren, während christliche Baumeister später eigene Ordnungen schufen (man denke an Versailles oder Sanssouci).

Feng Shui und Vastu Shastra – zwei eigenständige Wege

Feng Shui ist eine chinesische Lehre: Ihre Bildwelt – Yin und Yang, die Fünf Wandlungsphasen, „Drachenadern” und Gebirgsformen, die Ausrichtung nach dem Polarstern, später der Luopan-Kompass – ist tief in der chinesischen Kosmologie verwurzelt.

Auch Indien kennt eine sehr alte Lehre vom harmonischen Bauen und Wohnen: das Vastu Shastra aus dem Umfeld des Veda, mit dem Vastu-Purusha-Mandala und einer stärkeren Ausrichtung an Sonne und Mond. Beide Traditionen beschäftigen sich mit derselben Grundfrage – wie man Räume in Einklang mit den Kräften der Natur gestaltet –, sie sind aus unserer Sicht aber zwei eigenständige, verwandte Parallelentwicklungen, nicht die eine aus der anderen abgeleitet. Eine direkte Herkunft des einen Systems aus dem anderen ist historisch nicht belegt.

Interessanter als die Ursprungsfrage sind für uns die unterschiedlichen Schwerpunkte: Das chinesische Feng Shui ist stark pragmatisch-mental ausgerichtet und zielt spürbar auf Wirkung und Erfolg im äußeren Leben. Das indische Vastu Shastra betont eher die innere Vervollkommnung und einen spirituell-ethischen Rahmen. Beides sind für uns gleichwertige, nur verschieden gewichtete Zugänge – wer beide nebeneinander betrachtet, gewinnt das reichere Bild, ohne eines zum bloßen Ableger des anderen zu erklären.

Wie arbeiten wir konkret mit Feng Shui?

Wir wenden es an. Schon 1996 hat D. Harald Alke in „Energiepyramiden verändern die Welt” beschrieben, wie das Bagua – das achteckige Mandala der Energieverteilung, das Yin-Yang-Symbol umgeben von den acht Zeichen des I Ging – mit der Horus Energiepyramide zusammengeht: Beide werden mit dem Kompass ausgerichtet, und weil die Energiepyramide über ihre acht Ecken genau dem Bagua entspricht, lässt sich das eine unter das andere legen (ausführlich im Standpunkt Energiepyramiden und Feng Shui).

Vieles im traditionellen Feng Shui ist an 2.500 Jahre chinesische Lebensweise gebunden – an eine andere Moral, einen anderen Pragmatismus, einen anderen Geschmack. Wer es eins zu eins überträgt, landet leicht bei Lösungen, die hier fremd wirken. Das ist kein Mangel der Lehre, sondern der normale Vorgang beim Übersetzen zwischen Kulturen: Man übernimmt das Prinzip und findet die eigene Form dafür.

Besonders deutlich wird das an der Farbenlehre: Farben werden festen Himmelsrichtungen, Fähigkeiten und Organen zugeordnet. Ein konsequent „richtig” eingerichtetes Haus kann nach westlichem Empfinden unwirtlich oder grell wirken. Unser Maßstab ist ein anderer:

„Wir brauchen ein Feng-Shui-Wissen, das unsere westlichen Bedürfnisse und Interessen erkennt, respektiert und fördert.”

Welche praktischen Regeln funktionieren überall?

Einige Empfehlungen sind kulturübergreifend sinnvoll, weil sie schlicht mit Wohlbefinden und gesundem Menschenverstand zu tun haben:

Solche Regeln darf man getrost anwenden. Entscheidend ist, mit Geduld und Feingefühl vorzugehen statt mit starren Tabellen.

Die Tradition der Meister – und das eigene Urteil

Traditionelles Feng Shui wird vielfach als Schullehre weitergegeben, gebunden an Familien und Meister. Die Gründe einer Empfehlung werden dabei nicht immer offengelegt – wie in vielen alten Handwerks- und Wissenstraditionen, in Europa nicht anders als in China.

Unsere Haltung dazu ist keine Kritik an der Lehre, sondern eine an uns selbst gerichtete Regel: Was wir anwenden, sollten wir verstehen. Wer nach fremden Tabellen einrichtet, ohne zu spüren, was der Raum mit ihm macht, hat nichts gewonnen – gleich, aus welcher Tradition die Tabelle stammt. Verlässlicher als jede Schulzugehörigkeit ist persönliches Feingefühl und die Bereitschaft, das eigene Urteil zu schulen.

Das gilt für uns genauso: Auch unsere eigenen Empfehlungen sind daraufhin zu prüfen.

Unser Weg: ein europäisches Feng Shui

Statt fremde Dogmen zu kopieren, plädieren wir dafür, die eigene Wahrnehmung zu schulen. Denn:

„Nicht wir sind ein Produkt der Umwelt, sondern unsere Umwelt ist ein Produkt unserer Gedanken und Gefühle! Wir formen diese Welt nach unserem Bewußtsein!”

Und weil Wahrnehmung Übung ist, gilt für uns:

„Jede Art von intellektuellem Studium entfernt uns eher von der eigenen Intuition, als dass es sie uns näher bringt.”

Ziel ist, dass sich jeder gut informiert, seine sensitive Wahrnehmung trainiert und dann das eigene Gelände oder die eigene Wohnung nach den eigenen inneren Bedürfnissen gestaltet – frei und ohne Meister-Abhängigkeit.

Wie schult man die eigene Wahrnehmung?

Hilfreiche Wege sind aus unserer Erfahrung Pranayama (bewusste Atmung), Meditation und das Energytraining (siehe Methoden); zur Harmonisierung des Raums kann eine Horus Energiepyramide beitragen. Das ist eine spirituelle Anregung, kein Heilversprechen. Verwandtes Hintergrundwissen bietet das Lexikon unter Energie, Chakra und Esoterik.


Hinweis: Dieser Beitrag gibt eine persönliche, weltanschauliche Sichtweise wieder und ist keine medizinische Beratung.

Häufige Fragen

Was ist Feng Shui?

Wörtlich Wind und Wasser: eine über 2.500 Jahre alte chinesische Lehre, den Lebensraum so zu gestalten, dass förderliche Energie gestärkt und belastende gemindert wird. Schon zwischen den Schulen gibt es dabei wenig Einigkeit. Das ist eine weltanschauliche Sicht.

Woher stammt Feng Shui ursprünglich?

Feng Shui ist eine chinesische Lehre. Indien kennt mit dem Vastu Shastra eine eigene, sehr alte Lehre vom harmonischen Bauen. Aus unserer Sicht sind beide eigenständige, verwandte Parallelentwicklungen – nicht das eine aus dem anderen abgeleitet – mit unterschiedlichen Schwerpunkten: das chinesische System eher pragmatisch auf Wirkung, das indische eher auf innere Vervollkommnung.

Lässt sich chinesisches Feng Shui in Europa anwenden?

Nur eingeschränkt. Vieles ist tief in der chinesischen Kultur verwurzelt (etwa die Farbenlehre) und passt nicht zu westlichen Bedürfnissen. Einzelne praktische Regeln – freie Sicht, gute Belüftung, lebendige Pflanzen – funktionieren dagegen überall.

Was ist ein europäisches Feng Shui?

Der Kyborg-Weg: nicht fremde Dogmen auswendig lernen, sondern die eigene Wahrnehmung schulen und den Raum nach den eigenen Bedürfnissen gestalten – unterstützt durch Pranayama, Energytraining und eine Energiepyramide.

Verwandte Standpunkte & Aktuelles

Änderungsverlauf · zuletzt aktualisiert am
  • — Haltung zum chinesischen Feng Shui überarbeitet – die Lehre wird als eigenständige Tradition dargestellt und in der Anwendung mit der Energiepyramide verbunden.
  • — Herkunfts-Abschnitt überarbeitet: Feng Shui und das indische Vastu Shastra werden nun als zwei eigenständige, verwandte Traditionen mit unterschiedlichen Schwerpunkten dargestellt – statt eine als Ursprung der anderen zu bezeichnen.
  • — Eintrag neu angelegt: die siebenteilige Feng-Shui-Reihe zu einem konsolidierten Pillar zusammengeführt (Ursprung, Kritik, europäischer Weg), als weltanschauliche Sicht gekennzeichnet.

Quellen

  • D. Harald Alke: Feng Shui (siebenteilige Reihe). Kyborg Institut, 2011.

Von D. Harald Alke