Radiästhesie

Radiästhesie ist die Arbeit mit Rute oder Pendel – im Deutschen auch Rutengehen oder Muten genannt. Eine Mutung ist die Wahrnehmung der mutenden Person, die das Werkzeug nur sichtbar macht; sie ist keine physikalische Messung. Wir am Kyborg Institut arbeiten selbst radiästhetisch und halten diese Unterscheidung für die wichtigste des ganzen Feldes: Das Instrument ist der Mensch.

Was bedeutet das Wort?

Der Begriff ist aus dem Lateinischen und dem Griechischen zusammengesetzt: radius für „Strahl” und aisthesis für „Empfindung” – also etwa „Strahlenempfindung”. Die Wortprägung wird überwiegend dem französischen Geistlichen Abbé Alexis Bouly zugeschrieben, mit Belegen ab etwa 1926; teils wird Abbé Louis Bayard als Miturheber genannt. Gelegentlich liest man auch den Namen Abbé Mermet – dafür haben wir in den geprüften Nachschlagewerken keinen Beleg gefunden. Wir nennen deshalb beide Zuschreibungen und entscheiden die Frage nicht.

Seit wann gibt es die Wünschelrute?

Die erste ausführliche gedruckte Beschreibung steht in „De Re Metallica” von Georgius Agricola (1556), einem Standardwerk des Bergbaus. Agricola schildert die Praxis genau: eine gegabelte Rute, für jedes Metall ein anderes Holz – Hasel für Silber, Esche für Kupfer, Kiefer für Blei und Zinn, Eisen und Stahl für Gold. Er beschreibt auch, wie die Rute gehalten wird und was die Rutengänger über ihre Bewegung sagen.

Und dann widerspricht er. Sein Argument ist bemerkenswert modern: Anziehende Kräfte wie Magnet oder geriebener Bernstein drehen nichts, sie ziehen es gerade zu sich hin. Käme die Bewegung von der Erzader, müsste die Rute sich also zur Ader hin neigen statt sich zu winden. Daraus folgert er:

„… so muss notwendig folgen, dass die Handhabung die Ursache der Drehbewegung der Rute ist.” – Georgius Agricola, De Re Metallica, 1556 (nach der englischen Übersetzung von 1912)

Diese Stelle ist für uns kein Einwand, den man wegwischen müsste, sondern ein Beleg dafür, wie alt die Frage ist – und wie alt die Antwort „es liegt am Menschen” ist. Wir teilen sie, ziehen daraus aber einen anderen Schluss als Agricola (siehe unten).

Was eine Mutung ist – und was nicht

Drei voneinander unabhängige Stimmen sagen dasselbe:

  1. 1931, Rimini. Der Ingenieur Giovanni Paris trug auf dem Congresso Geo-Rabdico vor, das Entscheidende sei die Person, nicht das Gerät. Er ging sogar weiter und wollte die Rute abschaffen, weil ihr zu viel Magisches anhafte. (Der Vortrag liegt uns als Wiederabdruck von 2014 vor; er stammt aus dem Italien seiner Zeit und enthält Wendungen, die diesen Zeitbezug tragen.)
  2. 2009. Der Geobiologe Stéphane Cardinaux berichtet in seinem Buch Bioénergie, seine Forschungsgruppe habe jahrelang an Apparaten gearbeitet, die das Unsichtbare messen sollten – und am Ende einräumen müssen, dass das einzige Instrument, das es erfassen könne, der menschliche Körper sei. (Uns liegen nur die frei einsehbaren Vorschauseiten vor, kein Volltext – wir geben deshalb nur diese Aussage wieder.)
  3. Unser eigenes Haus. Harald Alke schreibt im Horus-Handbuch: „Der moderne Rutengänger sollte vorsichtig sein mit Meßgeräten. … Das wichtigste Instrument unserer Umweltforschung ist unser eigener Körper und unser Geist.”

Daraus folgt alles Weitere. Eine Mutung ist wiederholbar für dieselbe Person, aber nicht übertragbar wie ein Messwert: Zwei Rutengänger kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, und Tagesform und Übung wirken mit. Wer eine Mutung als Zahl weitergibt – etwa in Bovis-Einheiten –, gibt eine Wahrnehmung weiter, kein Messergebnis.

Wie arbeiten wir selbst?

Wir muten mit Einhandrute und Pendel. Bewährt hat sich eine feine Einhandrute mit Holzgriff und dünnem Stahldraht. Der Wert entsteht über die eigene Wahrnehmung; wer die Methode nicht kennt, kommt zu abweichenden oder zu gar keinen Werten. Das ist keine Einschränkung, die wir bedauern, sondern die ehrliche Beschreibung dessen, was geschieht.

Aus dem eigenen Haus stammt auch eine Warnung an die eigene Zunft. Harald Alke über Rutengänger, die in jedem Haus fündig werden: „die finden wirklich immer etwas … je sensibler, desto mehr wird er finden. Und je mehr der findet, desto unwohler fühlen Sie sich in ihrem Haus.” Wer sucht, findet – und wer davon lebt, findet mehr. Wir halten das für die größte Gefahr des Feldes: nicht den Irrtum, sondern die erzeugte Beunruhigung.

Unsere Sicht auf Störzonen

Am Kyborg Institut gehen wir davon aus, dass Störzonen im Untergrund – Wasserläufe, Verwerfungen, Gitterstrukturen – das Befinden von Menschen beeinträchtigen können, die lange Zeit über ihnen schlafen oder arbeiten. Das ist eine persönliche, weltanschauliche Überzeugung, gewachsen aus jahrzehntelanger eigener Wahrnehmung und aus dem Austausch mit Rutengängern über Generationen.

Im Rutengehen werden solche Zonen meist über drei Gittersysteme beschrieben, die nach ihren Beschreibern benannt sind: das Hartmann-Gitter, das Curry-Netz und das Benker-Kubensystem nach dem Rutengänger Anton Benker. Auch das sind radiästhetische Begriffe, keine physikalisch vermessenen Strukturen – sie ordnen Wahrnehmungen, sie beweisen sie nicht.

Wir geben unsere Sicht nicht als wissenschaftlichen Befund aus – ein solcher Nachweis existiert nicht. Und wir leiten daraus keine Angst ab: Niemand sollte sich im eigenen Schlafzimmer fürchten, weil jemand mit einer Rute durch den Raum gegangen ist. Wer gesundheitliche Beschwerden hat, klärt sie ärztlich ab; dafür ist die Radiästhesie kein Ersatz.

Wie stark solche Aussagen im Feld vertreten werden, geht weit über unsere Formulierung hinaus: Mehrere Verbände und Autoren behaupten direkte Krankheitsursachen. Wir referieren, dass dies behauptet wird, und machen es uns nicht zu eigen.

Was zeigt die Forschung?

Die Münchner Scheunenversuche. In den 1980er-Jahren förderte das Bundesministerium für Forschung und Technologie eine umfangreiche Untersuchung; in einer Scheune wurde eine verschiebbare Wasserleitung unter dem Boden geführt, während Rutengänger im Stockwerk darüber deren Lage angeben sollten. Beteiligt waren Dutzende Rutengänger in Hunderten von Einzelversuchen. Die Autoren um Hans-Dieter Betz deuteten einen kleinen Teil der Ergebnisse als Hinweis auf eine Begabung Einzelner.

Der Widerspruch. Der Biologe J. T. Enright wertete dieselben Daten neu aus und kam zu dem Schluss, die Treffer ließen sich mit Zufall erklären; er beanstandete unter anderem die nachträgliche Auswahl der besten Teilnehmer. Betz und Kollegen antworteten darauf 1996 in derselben Zeitschrift. (Diese Erwiderung ist uns bibliografisch bekannt, im Volltext haben wir sie nicht geprüft.)

Kassel 1990. In einem öffentlich beobachteten Test mit zwanzig Rutengängern und mehr als siebenhundert Einzelversuchen erreichte niemand die vereinbarte Trefferquote.

Unser Fazit, ohne Umweg: Ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis liegt nicht vor. Das ändert für uns nichts an der eigenen Praxis – wir verstehen sie als Wahrnehmungsschulung, nicht als Messverfahren, und genau deshalb steht sie nicht im Widerspruch zu diesen Befunden. Wer sie als Messverfahren ausgibt, muss sich an ihnen messen lassen.

Radiästhesie in anderen Ländern

Polen geht einen eigenen Weg. Die amtliche Berufsklassifikation führt den radiesteta unter der Nummer 516901, und der polnische Handwerksverband hat 2013 Prüfungsstandards für Gesellen- und Meisterprüfung beschlossen. Ein Blick in den Prüfungsstandard zeigt allerdings, was dort geprüft wird: Fachrechnen, Rechtskunde, Arbeitsschutz, Didaktik, Technologie – nicht die Trefferquote einer Mutung. Anerkannt ist also das Handwerk mit seinen Regeln, nicht eine Wirksamkeit. Wir halten das für eine kluge Trennung.

In der Schweiz besteht mit der Vereinigung für Radiästhesie und Geobiologie eine Fachgesellschaft mit eigener Zeitschrift; in Deutschland und Österreich bestehen mehrere Verbände nebeneinander. Die Ausbildungswege sind uneinheitlich, ein geschützter Berufszugang existiert im deutschsprachigen Raum nicht.

Abgrenzung: Radionik

Von der Radiästhesie zu unterscheiden ist die Radionik, die auf den amerikanischen Arzt Albert Abrams zurückgeht und mit Apparaten arbeitet. Die Felder überschneiden sich personell und in Zeitschriften, die Praxis ist aber eine andere: Radiästhesie arbeitet mit dem Wahrnehmungsvermögen der Person, Radionik mit Geräten. Gesundheitsbezogene Anwendungen der Radionik sind Gegenstand erheblicher rechtlicher und fachlicher Kritik.

Wo Radiästhesie in unserer Arbeit vorkommt

Das Institut ist seit Jahrzehnten Gegenstand und Teilnehmer dieser Fachdiskussion. Zwei Belege sind im Presse-Archiv dokumentiert: radiästhetische Mutungen dreier Rutengänger von 1993 und ein Beitrag des Rutengängers Günter Hamm in der Fachzeitschrift „Radiästhesie – Radionik” (3/2014). Beides sind Mutungen, also Wahrnehmungen der jeweiligen Personen – keine Messungen und kein Wirknachweis.

Wer die eigene Wahrnehmung schulen möchte, findet den Einstieg bei der energetischen Selbstwahrnehmung. Weitere Begriffe im Umfeld: Bovis-Einheiten, Energie, Feng Shui und Pyramidenkraft.

Hinweis: Dieser Eintrag beschreibt eine Wahrnehmungspraxis und gibt an den gekennzeichneten Stellen eine persönliche, weltanschauliche Sichtweise wieder. Er trifft keine Heil- oder Wirkaussagen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wer gesundheitliche Fragen hat, wendet sich bitte an Ärztin, Arzt oder Apotheke.

Häufige Fragen

Was ist Radiästhesie?

Die Arbeit mit Rute oder Pendel, um Wahrnehmungen über einen Ort, einen Boden oder einen Gegenstand zu gewinnen – im Deutschen auch Rutengehen oder Muten genannt. Der Begriff setzt sich aus lateinisch radius (Strahl) und griechisch aisthesis (Empfindung) zusammen; die Wortprägung wird meist Abbé Alexis Bouly zugeschrieben, mit Belegen ab etwa 1926.

Ist eine Mutung eine Messung?

Nein. Eine Mutung ist die Wahrnehmung der mutenden Person, sichtbar gemacht durch Rute oder Pendel. Das Instrument ist der Mensch, nicht das Gerät. Zwei unabhängige Vertreter des Feldes sagen das seit 1931 beziehungsweise 2009 selbst, und das Kyborg Institut sieht es genauso.

Ist Rutengehen wissenschaftlich belegt?

Nein. Kontrollierte Versuche haben keinen belastbaren Nachweis erbracht. Die bekannteste Untersuchung, die Münchner Scheunenversuche der 1980er-Jahre, wurde von den eigenen Autoren teils positiv gedeutet, von späteren Auswertungen jedoch grundlegend bestritten; in Kassel fand 1990 keiner der Teilnehmer die gestellte Aufgabe. Wir stellen beide Seiten dar.

Seit wann ist die Wünschelrute belegt?

Die erste ausführliche gedruckte Beschreibung stammt von Georgius Agricola, De Re Metallica (1556), aus dem Bergbau. Agricola beschreibt die Praxis genau – und verwirft sie: Die Bewegung der Rute komme von der Handhabung, nicht von der Erzader.

Was sind Bovis-Einheiten?

Ein Maß aus dem Rutengehen für die Höhe eines Energieniveaus. Es wird mit Einhandrute oder Pendel erfühlt und ist ausdrücklich kein physikalischer Messwert. Mehr dazu im Eintrag Bovis-Einheiten.

Wie ist Radiästhesie in Polen eingeordnet?

Als Beruf und Handwerk. Die amtliche Berufsklassifikation führt unter 516901 den radiesteta, und der polnische Handwerksverband hat 2013 Prüfungsstandards für Gesellen- und Meisterprüfung beschlossen. Geprüft werden dabei Fachrechnen, Recht, Arbeitsschutz und Didaktik – nicht die Trefferquote des Mutens. Anerkannt ist also das Handwerk, nicht eine Wirksamkeit.

Änderungsverlauf · zuletzt aktualisiert am
  • — Quellenangabe zum Beleg von 2009 berichtigt: Autor, Titel und Verlag stehen jetzt korrekt, die Aussage des Buches ist genauer wiedergegeben.
  • — Die drei im Rutengehen gebräuchlichen Gittersysteme (Hartmann, Curry, Benker) sind jetzt beim Namen genannt und als radiästhetische Begriffe eingeordnet.
  • — Eintrag neu angelegt: Radiästhesie als eigener Lexikon-Begriff – Begriffsgeschichte, die erste gedruckte Beschreibung von 1556, die Forschungslage mit beiden Seiten, die Einordnung in Polen und der Schweiz sowie unsere eigene Sicht auf das Muten.

Quellen

  • Georgius Agricola: De Re Metallica (1556), Buch II – in der englischen Übersetzung von Herbert Clark Hoover und Lou Henry Hoover (1912), S. 38–41, sowie Hoovers Anmerkung 21 zur Vorgeschichte.
  • Giovanni Paris: Vortrag auf dem Congresso Geo-Rabdico, Rimini 1931 – Wiederabdruck in: Quaderni di Radionica, Nr. 15 (2014), S. 15–17.
  • Stéphane Cardinaux: Bioénergie. Approche bioénergétique des phénomènes cosmotelluriques, des ondes électromagnétiques, des perturbations du sous-sol … Éditions Trajectoire, 2009 (ISBN 978-2-84197-499-3) – uns liegen nur die frei einsehbaren Vorschauseiten und das Verlagsrésumé vor, kein Volltext.
  • D. Harald Alke: Horus-Handbuch. Kyborg Institut.
  • D. Harald Alke: Handbuch (Ausgabe 2015). Kyborg Institut.
  • Hans-Dieter Betz u. a.: Forschungsprojekt zur Wünschelrutenfrage, gefördert vom Bundesministerium für Forschung und Technologie; Versuchsreihen in München (ab 1986).
  • J. T. Enright: kritische Neuauswertung der Münchner Versuchsreihen (u. a. in Naturwissenschaften, 1995/1996).
  • Hans-Dieter Betz u. a.: Erwiderung auf Enright, in: Naturwissenschaften 83 (1996), S. 272–275 – bibliografisch belegt, Volltext von uns nicht geprüft.
  • GWUP/James Randi, Versuchsreihe Kassel 1990 – Bericht in: Skeptiker 1991, Heft 1, S. 4–10.
  • Klasyfikacja zawodów i specjalności na potrzeby rynku pracy (Polen), Rozporządzenie vom 7. August 2014, Fassung mit Stand 01.01.2025, S. 47: 516901 Radiesteta.
  • Związek Rzemiosła Polskiego: Uchwała Nr 5 vom 1. Oktober 2013 (Prüfungsstandards für Gesellen- und Meisterprüfung, u. a. „radiesteta“) sowie Prüfungsstandard „RADIESTETA“ (2006).
  • Günter Hamm: Mutungsfeststellungen nach Aufstellung einer Horus-Energiepyramide Modell A, in: Radiästhesie – Radionik (VRGS), Heft 3/2014, S. 69.

Von D. Harald Alke, Tobias O. R. Alke