Augen & Sehen

Die Augen gelten im Energytraining nach Harald Alke als Spiegel von Gefühl und seelischer Verfassung. Dieser Eintrag fasst unsere Sicht auf Augen, Wahrnehmung und Sehkraft zusammen.

In den Augen und den feinen Reaktionen der vielen kleinen Fältchen rundherum zeigt sich aus unserer Sicht sehr viel über einen Menschen. Regungen, Erinnerungen und Gefühle finden hier ihren Ausdruck.

Wie sehen wir den Zusammenhang von Augen und Seele?

Wir verstehen die Augen als Tore der Seele. Eine alte symbolische Tradition, die wir teilen, ordnet dem rechten Auge eher Außenwelt, Aktivität, Durchsetzungsvermögen, Kritik und Verstand zu, dem linken Auge eher Phantasie, Intuition, Gefühl und Innenleben. Anatomisch ist es genauer so: Nicht jedes Auge als Ganzes ist mit der gegenüberliegenden Hirnhälfte verbunden, sondern jede Hälfte des Gesichtsfelds – was wir links von uns sehen, verarbeitet die rechte Hirnhälfte, was rechts liegt, die linke, jeweils mit Signalen aus beiden Augen. Die Zuordnung von rechtem und linkem Auge ist deshalb ein Bild der Tradition, kein anatomisches Modell.

Diese sinnbildliche Sicht soll zur Selbstbeobachtung anregen.

Kann sich die Wahrnehmung der Augen verschieben?

Wir gehen davon aus, dass die Wahrnehmungsfähigkeit unserer Augen durch Erziehung und Erfahrung geprägt und begrenzt ist. Unter bestimmten Umständen, so unsere Erfahrung, lassen sich andere Bereiche des Spektrums empfinden. Verschiebt sich das Wahrnehmungsband, erscheinen im neuen Spektralbereich wieder die gewohnten Farbabstufungen.

So gesehen ist „Grün” nicht eine feste Farbe, sondern in etwa die Mitte des heute durch Gewohnheit festgelegten sichtbaren Spalts des elektromagnetischen Spektrums. Verschiebt sich der Wahrnehmungsbereich, erscheint dessen Mitte erneut als Grün. Auch Druck auf die geschlossenen Augenlider erzeugt Lichtreflexe und teils charakteristische Muster – hier wird Druck als Lichtimpuls wahrnehmbar, nicht Licht im eigentlichen Sinne.

Eine Erfahrung aus der Praxis (1987): Nach einer langen Meditation kam ich in einem völlig dunklen Raum zu mir und sah dennoch alles taghell, mit einem Messington im Licht; draußen wirkte alles blauviolett und unwirklich. Erst als ich die (bereits ausgeschaltete) Deckenlampe „ausschaltete”, brach diese Sicht zusammen und ich stand bei spärlichem Mondlicht im Dunkeln. Solche veränderten Wahrnehmungen habe ich mehrfach erlebt. Für mich legt das nahe, dass wir den Bereich unserer optischen Wahrnehmung über Erziehung und Übereinkunft festlegen – und dass wir mit ungewöhnlichen Trainingsmethoden daran etwas verändern können.

Wie deuten wir verschiedene Sehprobleme?

Bei Sehproblemen wie Kurz- oder Weitsichtigkeit, Grauem oder Grünem Star und dem Glaukom, die ohnehin augenärztlich begleitet werden, sehen wir zusätzlich oft einen Bezug zum Verhältnis zur eigenen Umwelt:

Eine eigene Beobachtung am Rande: Meine eigene Kurzsichtigkeit schwankte über die Jahre mit meiner seelischen Verfassung und meiner Bildschirmarbeit. In Phasen, in denen ich mich sehr wohl fühle, brauche ich die Brille zeitweise kaum. Das deute ich für mich als Hinweis darauf, wie eng Befinden und Sehen zusammenhängen können – ohne daraus eine allgemeine Regel abzuleiten.

Ein praktischer, unstrittiger Punkt: Trockene Raumluft durch Klimaanlage und Heizung kann die Augen reizen. Wer das bemerkt, kann sich mehrmals täglich Gesicht und Augen mit Wasser erfrischen.

Welche Augenübungen gibt es im Energytraining?

Die folgenden Übungen verstehen wir als achtsame Selbstwahrnehmung und Entspannung.

  1. Spiegelübung. Betrachte ruhig dein Gesicht im Spiegel und konzentriere dich nacheinander auf je ein Auge, dann übers Kreuz, schließlich auf den Punkt des dritten Auges zwischen den Brauen. Das kann zu mehr Selbstakzeptanz und innerer Ruhe führen.
  2. Kerzenübung. Beobachte abends eine Kerze in Augenhöhe, erst mit beiden, dann abwechselnd mit einem Auge, und reguliere die Schärfedistanz von fern bis zur Nasenspitze. Zum Abschluss mit geschlossenen Augen nach innen oben sammeln. Wir erleben das als beruhigend und sammelnd.
  3. Randbereich wahrnehmen. Den Kopf ruhig halten und mit den Augen kreisen, dabei bewusst nur den äußersten Rand des Blickfelds beachten. Beim Spazieren (auf sicherem Weg) oder als Beifahrer im Auto lässt sich das vertiefen – fahre nie selbst dabei.
  4. Nah und fern. Vor einem Fenster oder im Freien den Blick zwischen naher Umgebung und ferner Aussicht hin- und herwandern lassen, bis hin zu Nasenspitze und entferntestem Punkt. Das fördert die Beweglichkeit der Augen.
  5. Reiskorn-Reise. Mit geschlossenen Augen ein Reiskorn vorstellen und es in Gedanken auf eine Weltreise schicken – eine entspannende Übung für vor dem Einschlafen.
  6. Wärme der Hände. Handflächen aneinander warm reiben, vor die geschlossenen Augen legen, die Wärme spüren und danach die Umgebung neu betrachten.
  7. Sonne mit Maß. Vormittags bis gegen 10 Uhr oder abends nach 17 Uhr mit zunächst geschlossenen, dann vorsichtig geöffneten Augen das Sonnenlicht erleben. Bitte nie übertreiben und in der Mittagssonne nicht praktizieren – wenn etwas unangenehm ist, abbrechen.
  8. Prana wahrnehmen. Wer sich mit dem Kapitel über Prana im Energytraining beschäftigt, kann lernen, die feinen Lichtteilchen in der Umgebung zu entdecken.

Regelmäßig und in beliebiger Reihenfolge angewandt, erleben viele diese Übungen als wohltuend für müde Augen. Unsere Augen sind oft schlicht müde, weil das Gesehene Routine ist. Ausflüge in die Natur, wo der Blick weit schweifen kann, tun aus unserer Sicht gut.

Wie arbeitet das Energytraining mit dem Blick?

Bei indianischen Medizinmännern lernte ich eine Methode kennen, die mit dem Auge arbeitet: Erscheint dort, wo Pupille und Iris einander begrenzen, in entspannter Stimmung ein winziger Lichtreflex, fixiert der Heiler diesen Punkt. Wir deuten das als inneren Austausch, in dem der Mensch zu mehr Klarheit und einer positiveren Lebensauffassung findet.

Ähnlich ist der Augenaustausch beim Tantra: Zwei Menschen schauen sich nach gemeinsamen Übungen ruhig und liebevoll in je ein Auge, ohne Druck und ohne Machtspiel. Wir erleben dabei oft ein tiefes Gefühl der Verbundenheit – eine Grundlage für eine intensive menschliche Begegnung.

Änderungsverlauf · zuletzt aktualisiert am
  • — Hinweise gestrafft, Text klarer gefasst.
  • — Zuordnung von rechtem und linkem Auge zu den Hirnhälften anatomisch präzisiert.
  • — Eintrag überarbeitet und aktualisiert; das Thema Augenprobleme hier zusammengeführt.

Quellen

  • D. Harald Alke: Gesundheitslexikon. Ausführliche Darstellung gesundheitlich relevanter Themen und therapeutischer Methoden; gebündelte, sich überschneidende Erfahrungen aus rund 30 Jahren Lebensberatung mit Klientinnen und Klienten. Kyborg Institut.

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Von D. Harald Alke

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