Sukkubus (Succubus)
Ein Sukkubus ist in der europäischen Überlieferung ein weiblicher Nachtdämon. Im Kyborg Institut bezeichnet derselbe Begriff etwas anderes: eine Prägung, die sich verselbständigt hat und der eigenen Entwicklung nicht nur im Weg steht, sondern ihr aktiv entgegenwirkt. Dieser Eintrag trennt beides — die Überlieferung und die Verwendung im Haus — und nennt für beides die Quellen.
Die hier dargestellten Inhalte sind Bildung und eine weltanschauliche Sichtweise, keine medizinische oder therapeutische Aussage. Bei belastenden Beschwerden sind ärztliche oder psychotherapeutische Fachleute der richtige Ansprechpartner.
Woher das Wort kommt
Der Ausdruck stammt vom spätlateinischen succuba, „Beischläferin”, zu succubare „darunterliegen” (sub + cubare). Das männliche Gegenstück, der Incubus, ist von incubare „darauf liegen, brüten” gebildet. Beide Wörter benennen also nichts als eine Lage zum schlafenden Menschen.
Die Überlieferung ist alt und reicht über die mesopotamische Lilītu- und die jüdische Lilith-Gestalt zurück. In der christlichen Dämonologie wird daraus ein festes Modell: Bei Augustinus und Thomas von Aquin erscheinen solche Wesen als Erklärung für nächtliche Erfahrungen, und im Malleus Maleficarum (1486/87) sind Incubus und Sukkubus die Standardfiguren. Die heutige nüchterne Deutung dieser Erfahrungen ist die Schlaflähmung — der Zustand zwischen Schlaf und Wachen, in dem der Körper noch gelähmt ist, während das Bewusstsein schon arbeitet, oft begleitet von Druck auf der Brust und der Empfindung einer Anwesenheit. Das deutsche Wort Alpdruck bewahrt genau diese Erfahrung.
Die andere Linie: Paracelsus
Eine Linie der Überlieferung sagt jedoch etwas anderes — und sie ist es, an die das Kyborg Institut anschließt. Paracelsus hielt Inkubi und Sukkubi nicht für selbständige Dämonen, sondern für Ausgeburten der Einbildungskraft: Erzeugnisse eines Menschen, die nach ihrer Entstehung ein eigenes Dasein führen. Damit ist die Struktur eine völlig andere als in der Dämonologie: Nicht etwas kommt von außen zum Menschen, sondern der Mensch bringt es hervor.
Erfassungsgrenze: Diese Stelle liegt hier nur in der Wiedergabe Franz Hartmanns (1887) vor, einer theosophischen Aufbereitung des 19. Jahrhunderts, nicht im Originaltext. Wer daraus zitiert, zitiert Hartmann.
Was das Kyborg Institut darunter versteht
Die maßgebliche Bestimmung stammt aus einer Channelbotschaft vom 15. Februar 1991, veröffentlicht in Botschaften aus dem Licht:
„Ein Succubus ist eine Affirmation, die sich verselbstständigt hat. Das ist kein mentales Wesen, sondern ein astraler Schatten. Dieser bekommt den Charakter des Erzeugers eingeimpft. […] Diese Geister behindern die Entwicklung eines Menschen, wenn er weitergehen will zu neuen Verhaltensweisen. Sie können sich dann z. B. an andere Familienmitglieder halten und sie beeinflussen, um ihre Auflösung zu verhindern.”
D. Harald Alke fasst es im Kommentar so: Wir erschaffen durch beharrlich wiederholte Gedanken solche Gebilde; ändern sich die Zeiten und die eigenen Pläne, stehen sie der Entwicklung im Weg und wenden sich gegen uns. Das ist, der Sache nach, die Linie des Paracelsus in der Sprache des 20. Jahrhunderts.
Prägung oder Sukkubus — wo verläuft die Grenze?
Beides sind innere Muster, und die meisten Muster sind keine Sukkubi. Der Unterschied lässt sich an einem einzigen Merkmal festmachen:
| Prägung | Sukkubus | |
|---|---|---|
| entsteht durch | Wiederholung, Erziehung, Erfahrung | beharrlich wiederholte Gedanken, „Affirmation” |
| wirkt | als Gewohnheit; wird zur Fessel, wenn Abweichung nötig wird | wirkt der Veränderung aktiv entgegen |
| eigenes Interesse | nein | ja — es hält an seinem Fortbestand fest |
Der Unterschied ist keiner des Grades, sondern der Art. Eine Prägung ist eine Rille; man läuft in ihr, weil sie da ist. Ein Sukkubus ist ein Muster, das sich wehrt, wenn man aus der Rille heraus will — und nach der zitierten Bestimmung sogar auf andere Menschen der Familie ausweichen kann, um sich zu erhalten. Wer das an sich beobachtet hat, kennt die Erfahrung: Es ist nicht nur schwer, etwas zu ändern; es scheint etwas dagegen zu arbeiten.
Warum hier nicht „Engramm” steht
In früheren Veröffentlichungen des Hauses heißt dieses Feld Engramm. Gegen den Begriff sprechen zwei Gründe, und sie sind unabhängig voneinander.
Der erste ist fachlich. Der Ausdruck ist vergeben — und zwar für etwas anderes. Geprägt hat ihn der Biologe Richard Semon 1904 in Die Mneme für die physische Gedächtnisspur: die materielle Veränderung, die eine Erfahrung im Organismus hinterlässt. In dieser Bedeutung ist er bis heute in Gebrauch: Karl Lashley suchte 1950 in In Search of the Engram ebendiese Spur ein Forscherleben lang im Gehirn zu lokalisieren — vergeblich; die heutige Gedächtnisforschung sucht sie in identifizierbaren Zellverbänden. Was das Kyborg Institut Engramm nennt, ist aber kein Gedächtnisinhalt, sondern ein Verhaltensmuster. Wer den Begriff liest, hört Lashley mit und bekommt etwas anderes.
Der zweite ist geschichtlich. Im selben Jahr 1950 übernahm L. Ron Hubbard Semons Wort für die Dianetik und gab ihm dort die Bedeutung einer gespeicherten Schmerzerfahrung, die späteres Verhalten stört. Das Gesundheitslexikon des Hauses nennt ihn für diesen Komplex ausdrücklich als Quelle. Der Begriff ist damit doppelt belastet: im Fach vergeben, außerhalb des Faches besetzt.
Deshalb steht in den neueren Fassungen durchgehend Prägung, und wo es auf die Verselbständigung ankommt, Sukkubus. Es geht dabei nicht um die Sache, sondern um das Wort: Ein Begriff, der zuverlässig eine falsche Spur legt, taugt nicht als Fachausdruck.
Ein Wort zur Form: In den Werken des Hauses steht die lateinische Schreibung Succubus, wie sie die Botschaft von 1991 verwendet; dieser Eintrag führt die eingedeutschte Form Sukkubus im Titel, weil danach gesucht wird. Gemeint ist dasselbe.
Wie hängt das mit früheren Leben zusammen?
Nach der Sichtweise des Hauses — und das ist eine persönliche weltanschauliche Auffassung, keine wissenschaftliche Tatsachenbehauptung — können solche Gebilde auch Reste aus früheren Inkarnationen sein. Tobias O. R. Alke hat diesen Gedanken in Der emotionale Grundstein des Kindes (2016) in ein Stufenmodell gebracht: Was aus den früheren Leben mitkommt, bildet dort das Stadium Ω, die Summe der Prägungen — und der aus ihnen verselbständigten Sukkubi. Mehr dazu bei Reinkarnation und Karma sowie im Standpunkt Der emotionale Grundstein des Kindes.
Dasselbe Zeichen steht im Eintrag Omega (Ω) — und es steht hier aus einem Grund. In der Abbildung des emotionalen Grundsteins liegt der Sukkubus ganz in der Chronik Ω und ganz in der biologischen Umwelt des Stadiums α: Er wirkt in dieser Inkarnation und in den früheren zugleich. Das Zeichen bezeichnet die Pforte, durch die er mitkommt. Schematische eigene Darstellung.
Was man damit anfangen kann
Der erste Schritt ist derselbe wie bei jeder Prägung: das Muster als Muster erkennen. Ein Sukkubus unterscheidet sich darin, dass dieser Schritt nicht genügt — er meldet sich zurück. Häufig steht dahinter eine übernommene Angst, und oft ist der Kern ein Mangelbewusstsein. Ein ausgearbeitetes Modell dafür, wie früh eingeschärfte Sätze entstehen und wie sie sich umkehren lassen, ist die Transaktionsanalyse; die Frage, wer für die eigene Entwicklung einsteht, führt zur Verantwortung.
Niemand muss an Dämonen glauben, um den Begriff zu verwenden. Er benennt eine Erfahrung, die viele Menschen kennen — und benennt sie schärfer als das Wort Gewohnheit.
Häufige Fragen
Was ist ein Sukkubus?
In der europäischen Überlieferung ist ein Sukkubus ein weiblicher Nachtdämon, der sich Schlafenden nähert; das männliche Gegenstück heißt Incubus. Im Kyborg Institut bezeichnet der Begriff etwas anderes: eine Prägung, die sich so weit verselbständigt hat, dass sie der eigenen Entwicklung aktiv entgegenwirkt.
Was ist der Unterschied zwischen einer Prägung und einem Sukkubus?
Eine Prägung ist ein Muster – sie läuft ab, weil sie eingeübt ist. Ein Sukkubus ist ein Muster mit eigenem Interesse an seinem Fortbestand: Er wirkt einer Veränderung entgegen, statt ihr nur im Weg zu stehen. Der Unterschied ist keiner des Grades, sondern der Art.
Ist ein Sukkubus ein Dämon?
In der mittelalterlichen Dämonologie ja. In der Deutung, die das Kyborg Institut verwendet, nicht: Der Sukkubus wird vom Menschen selbst erzeugt – durch beharrlich wiederholte Gedanken. Diese Auffassung findet sich schon bei Paracelsus, der Inkubi und Sukkubi als Ausgeburten der Einbildungskraft beschrieb.
Warum sagt das Kyborg Institut nicht mehr Engramm?
Aus zwei unabhängigen Gründen. Fachlich ist der Ausdruck vergeben: Richard Semon prägte ihn 1904 für die physische Gedächtnisspur, Karl Lashley suchte ebendiese Spur 1950 im Gehirn – gemeint ist hier aber ein Verhaltensmuster, kein Gedächtnisinhalt. Geschichtlich übernahm L. Ron Hubbard das Wort 1950 für die Dianetik und gab ihm eine eigene Bedeutung. Ein Begriff, der zuverlässig eine falsche Spur legt, taugt nicht als Fachausdruck.
Woher kommt das Wort?
Vom spätlateinischen succuba, „Beischläferin“, zu succubare „darunterliegen“ (sub + cubare). Der Incubus ist entsprechend von incubare „darauf liegen“ gebildet. Die Begriffe benennen also die Lage zum schlafenden Menschen.
Änderungsverlauf · zuletzt aktualisiert am
- — Das Omega-Zeichen ergänzt – es zeigt, worauf der Abschnitt zu den früheren Leben hinausläuft.
- — Die Herkunft des Begriffs Engramm ist jetzt vollständig erklärt: im Fach vergeben für die physische Gedächtnisspur, außerhalb des Faches durch die Dianetik besetzt.
- — Eintrag veröffentlicht und vom Eintrag Prägung aus verlinkt.
- — Neuer Begriffs-Eintrag: Sukkubus – die Überlieferung, die Deutung bei Paracelsus und die Bedeutung im Kyborg Institut als verselbständigte Prägung.
Quellen
- Alke, D. Harald (2004): Botschaften aus dem Licht. Gespräche mit Horus und anderen Lichtwesenheiten. 4., wesentlich erweiterte Auflage. Flörsheim-Dalsheim: Kyborg Institut & Verlag (ISBN 3-924722-43-9) – Botschaft vom 15.02.1991.
- Alke, D. Harald (2002): Gesundheitslexikon der Esoterik. Flörsheim-Dalsheim: Kyborg Institut & Verlag – Abschnitt „Die Somatisierung von Engrammen“.
- Alke, Tobias O. R. (2016): Der emotionale Grundstein des Kindes. Pränatale Sozialisation – Biologische Umwelt – Individuelle Chronik. Flörsheim-Dalsheim: Kyborg Institut & Verlag.
- Semon, Richard (1904): Die Mneme als erhaltendes Prinzip im Wechsel des organischen Geschehens. Leipzig: Wilhelm Engelmann – Ursprung des Begriffs „Engramm“.
- Lashley, Karl S. (1950): In Search of the Engram. In: Symposia of the Society for Experimental Biology 4, S. 454–482.
- Hubbard, L. Ron (1950): Dianetics. The Modern Science of Mental Health. New York: Hermitage House – Übernahme und Umdeutung des Begriffs.
- Paracelsus: De origine morborum invisibilium – hier nach der Wiedergabe bei Franz Hartmann (1887): The Life of Paracelsus, Kap. Pneumatology. Erfassungsgrenze: nicht am Originaltext geprüft.
- Institoris, Heinrich / Sprenger, Jakob (1486/87): Malleus Maleficarum – Standardwerk der katholischen Dämonologie zu Incubus und Succubus.