Psychose & Psychiatrie

Eine Psychose bezeichnet einen seelischen Zustand mit stark veränderter Realitätswahrnehmung; die Psychiatrie ist das medizinische Fachgebiet, das solche Zustände diagnostiziert und behandelt. Dieser Beitrag gibt darüber hinaus eine persönliche, weltanschauliche Sicht des Kyborg Instituts auf den menschlichen Umgang mit Betroffenen wieder.

Worum geht es?

Aus unserer Sicht lebt ein Mensch in einer ausgeprägten Psychose zeitweise in einer eigenen, in sich stimmigen Wirklichkeit. Eine verlässliche Realitätsprüfung ist ihm dann nur schwer möglich. Begegnet man einem solchen Menschen, hilft es nach unserer Erfahrung, sein Erleben nicht abzuwerten, sondern ihm zuzuhören – oft findet er zum ersten Mal jemanden, der ihn ernst nimmt.

Je nach Ausprägung – etwa Größenideen oder eine starke Angst vor einem bestimmten Auslöser („Böse Mächte machen sich an mir zu schaffen“) – kann es geschehen, dass ein Betroffener sein Erleben mit großer Dringlichkeit teilt. Wir halten es für sinnvoll, ihn anzunehmen, ohne sich selbst in dieses Erleben hineinziehen zu lassen.

Was bedeutet „Wahn” aus dieser Sicht?

Wir verstehen viele geistige Krisen als eine Art Flucht in eine eigene innere Welt, mit der jemand Abstand zu belastenden Lebensumständen, zur Familie oder zu Arbeitsproblemen sucht. Man spricht umgangssprachlich von „verrückt” – wörtlich ver-rückt, ver-setzt: nicht mehr auf derselben Wellenlänge wie die Mehrheit der Umgebung.

In unserem weltanschaulichen Deutungsrahmen, der mit Reinkarnation und früheren Leben arbeitet, kann eine einfühlsame Analyse manchmal zeigen, dass jemand in einer Bilderwelt lebt, die einer früheren Epoche zu entsprechen scheint. Das ist ausdrücklich unsere Deutung, keine medizinische Tatsachenbehauptung.

Wie gehen wir damit um?

Unsere Erfahrung legt nahe, dass Kommunikation gelingt, wenn man sich auf die Ebene des anderen begibt, seine Sprache und seine Mitteilungsform zu verstehen versucht und ihm vorbehaltlos begegnet. Mitunter lässt sich so eine angespannte Situation entschärfen – im Sinne von Zuwendung und Entlastung, nicht im Sinne einer Heilung.

Ein Beispiel aus unserer Begleitarbeit: Eine junge Frau galt im Umfeld als „ziemlich verrückt”; sie litt unter Ängsten und quälenden inneren Bildern. In einem ausführlichen, einfühlsamen Gespräch durfte sie ihr Leid erzählen und fühlte sich erstmals angenommen statt verurteilt. Sie erlebte dieses Gespräch als große Entlastung, beruhigte sich in ihrem Verhalten und konnte ihre belastenden Erinnerungen einordnen. Wir schildern das als persönliches Erleben – es ist kein Beleg für eine Therapie und nicht verallgemeinerbar.

Wir gehen davon aus, dass auch ein scheinbar „verrückter” Zustand einen nachvollziehbaren Grund hat – in „wahnen” steckt ja „ahnen”. Ob dieser Grund je sichtbar wird, bleibt offen.

Wie sehen wir die Psychiatrie?

Wir beobachten kritisch, dass im Umgang mit seelischen Krisen mitunter zu schnell und zu stark medikalisiert wird und dass der Mensch hinter der Diagnose zu wenig Gehör findet. Das ist eine Strukturkritik – keine pauschale Abwertung der Psychiatrie oder der dort tätigen Menschen, die schwer kranken Patientinnen und Patienten wichtige Hilfe leisten.

Wir verstehen unsere Sicht als Ergänzung auf der menschlich-zwischenmenschlichen Ebene: Zuhören, Annehmen, Entlasten. Sie ersetzt ausdrücklich keine fachärztliche Behandlung. Psychosen sind ernste Krankheitsbilder, die in fachärztliche und psychiatrische Hände gehören. Verordnete Behandlungen oder Medikamente sollte niemand eigenmächtig absetzen.

Was heißt das praktisch?

Wer Begleitung anbietet, sollte zudem auf die eigene Stabilität achten: Nähe ja, aber ohne sich selbst zu überfordern.


Hinweis: Dieser Beitrag gibt eine persönliche, weltanschauliche Sichtweise wieder und ist keine medizinische Beratung. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich bitte an Ärztin, Arzt oder Apotheke; setze verordnete Medikamente nicht eigenmächtig ab.

Änderungsverlauf · zuletzt aktualisiert am
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Quellen

  • D. Harald Alke: Gesundheitslexikon. Ausführliche Darstellung gesundheitlich relevanter Themen und therapeutischer Methoden; gebündelte, sich überschneidende Erfahrungen aus rund 30 Jahren Lebensberatung mit Klientinnen und Klienten. Kyborg Institut.

Autor: D. Harald Alke