Tauschen statt Schenken – und das Moment der Eigeninitiative
Autor: Tobias O. R. Alke
Erschienen in Kyborg Publishing · ISSN 2366-3839
Standpunkt statt Lexikon. Eine Arbeit von Tobias O. R. Alke. Hintergrundwissen: Lexikon-Eintrag Reziprozität. Dieses Essay diskutiert am Beispiel von GRAMEEN die Vor- und Nachteile des Schenkens und Tauschens in einer kurzen Abhandlung und mündet in den Vorteilen des Tauschens und der Förderung von Selbstvertrauen dadurch. Damit ist der grundlegende Wesenszug dieser Arbeit mit der Arbeit „Die Ethik des neuen Menschen“ von D. Harald Alke eng verwoben. Ein Grundsatz, welchem das Kyborg Institut folgt.
Wie der Titel bereits verrät, wird die Handlung des Tauschens mit der des Schenkens gegenübergestellt und nach dem Vorbild GRAMEENs mit dem Moment der Eigeninitiative in Verbindung gebracht.
Der Tausch ist eine sehr alte Handlung, die seit Jahrtausenden ein Begleiter der Gesellschaft ist. Wir tauschen um zu handeln und handeln um zu tauschen. Durch den Tausch ermöglichen wir uns den Zugang zu Objekten oder Leistungen, die wir mit eigenen Mitteln so nicht erreichen würden.
Die flexibelste Form des Tauschs ist die durch Geld. Es ist ein universales Tauschmittel, das gegen fast alles eingetauscht werden kann. So kann man Tauschmöglichkeiten in eine lagerbare Form versetzen, während die Lagerung von Tomaten zeitlich begrenzt ist und in ihrer Tauschmöglichkeit nur dann von Nutzen ist, wenn der Tauschpartner an Tomaten interessiert ist. So bekommt das Medium Geld eine besondere Bedeutung in der Gesellschaft. Jeder braucht es, und es ermöglicht um so mehr Tauschmöglichkeiten, je mehr man davon besitzt.
Nun gibt es soziale Schichten, die nur begrenzt über dieses Tauschmedium verfügen, die an der Armutsgrenze leben oder so arm sind, das sie verhungern. Hier sei auf GRAMEEN - Eine Bank für die Armen der Welt (Yunus/Jolis 1998) verwiesen. Diese Bank der Armen setzt sich genau mit diesem Missstand in der Gesellschaft auseinander. Doch geht es hier weniger um Geld (in Form der Mikrokredite), als um die Überwindung von Armut und damit verbunden die Bekämpfung von Hunger (vgl. auch Alke 2016).
Dieser Aufgabe stellen sich viele zivilgesellschaftliche Organisationen wie die UNICEF, die UNESCO, das Deutsche Rote Kreuz und viele andere Organisationen in anderen Bereichen. Um diese Hilfe zu gewährleisten, werden große Summen an Geld durch Spenden bereitgestellt und Subventionen durch Staaten ermöglicht, zum Nulltarif. Die Benachteiligten der Gesellschaft werden so gut es geht unterstützt. Sie sollen aus dem Elend, dem sie erliegen, gerettet werden.
Der Anblick von verhungernden Kindern und Müttern ist grausam und die sanitären wie gesundheitlichen Zustände in der dritten Welt sind katastrophal. Zustände, die den industrialisierten Bereichen der Gesellschaft fremd und oft nur aus dem Fernsehen bekannt sind. Somit erschrecken uns diese Berichte um ein vielfaches, und selbst die Armen der industriellen Regionen leben vergleichsweise durch HARTZ-IV und andere Sozialhilfen im puren Luxus.
Diese schrecklichen Bilder wahrnehmend, stellen viele Menschen Spenden bereit, geben diese an Hilfsorganisationen ab, um wenigsten einen kleinen Beitrag zu leisten, der diese Menschen aus ihrem Elend befreien helfen soll. Man schenkt ihnen Geld, das von den Organisationen in Form von Hilfsgütern (Kleidung, Nahrung etc.) in Krisenregionen gebracht wird. Die Zustände werden damit etwas gemildert, doch verfallen die Zustände wieder in ihre alten Muster, wenn die Versorgung durch Spenden abbricht.
Es ist ein scheinbar auswegloses Dilemma. Nur wenige nutzen die Spenden, um sich aus ihrer aktuellen Lage zu befreien, die meisten geraten in Abhängigkeit und lernen niemals auf eigenen Beinen zu stehen. Andere nutzen die Spendenbereitschaft von Touristen aus und verstümmeln Kinder. Diese werden auf die Straßen geschickt um bei Touristen Mitleid zu erregen, um Spenden zu erhalten. Doch gerade diese Spenden sind nach Yunus das Problem der fortwährenden Missstände in Krisengebieten wie Bangladesh und anderen Bereichen der Erde, selbst in Europa durch unser Sozialhilfesystem (vgl. Yunus 1998).
Als Geschenke ohne irgendwelche Bedingungen tendieren sie dazu ausgenutzt zu werden, da die Spendenbereitschaft von Touristen bei genügend Elend sicher gestellt ist. Auf der anderen Seite nutzen manche Gruppen diese Spendebereitschaft organisiert aus, bis hin zur Veruntreuung von Spendengeldern durch korrupte und unmoralische Beamte, die womöglich selbst auf das Geld aufpassen sollen. Der größte Makel durch Spenden ohne Bedingungen entsteht jedoch durch daraus resultierende Abhängigkeiten.
Dabei ist ein Geschenk nichts schlimmes, fast jeder hat wenigstens einmal in seinem Leben eines zu seinem Geburtstag bekommen und wenn es nur ein moralisches Geschenk in Form von Unterstützung ohne jeglichen materiellen Wert war. Geschenke sind etwas schönes. Wir machen unseren Nächsten damit eine Freude, ohne eine besondere Gegenleistung dafür zu erwarten, oder wir sollten dies zumindest nicht.
Sieht man die Missstände wie bspw. in Bangladesh, haben Teilbereiche der Gesellschaft das Bedürfnis etwas gutes zu tun, das Leid dieser Regionen zu reduzieren und Spendenaktionen zu organisieren.
Doch betrachtet man die Tatsachen, verlaufen diese gut gemeinten Aktionen meist im Sand. Nicht zuletzt sind hier die Beobachtungen von Muhammad Yunus zu nennen, der vor Ort aufgewachsen ist und sich sein Leben lang dieser Aufgabe widmete (vgl. Yunus 1998).
So werden beispielsweise Tiefbrunnen mit Spendengeldern gebaut, die mehrere Felder bewässern können, doch fehlt es den Einheimischen meist am technischen Know-How, diese in Stand zu halten. Für den Betrieb werden meist aufwendige Pumpen benötigt, Treibstoff, Ersatzteile und Schmiermittel, die teuer von den Industriestaaten erworben werden müssen. Kleinere Brunnen, die nur eine geringe Ausbeute haben, jedoch einfach betrieben werden können und mehrere Familien mit sauberem Wasser versorgen können, werden hingegen nicht vom Staat durch Subventionen oder Spenden finanziert (vgl. Yunus 1998).
Alle bisher genannten Missstände hängen primär mit Fehleinschätzungen durch die Verteiler von Fördergeldern zusammen, oder mit einzelnen Beamten, die mehr auf persönliche Bereicherung aus sind, als dass sie die Funktion ihrer Position ausfüllen würden.
Was ist nun das Schlimmste der Probleme, was auch Yunus verurteilt?
An dieser Stelle soll erst einmal das Moment der Eigeninitiative beschrieben werden. Man kann es als die eigene Motivation, den Ehrgeiz beschreiben, der von einem Individuum oder einer Gruppe ausgeht. Dieser ist meist initiiert durch einen einzelnen und kann als Vorbild für andere Menschen dienen.
Ein sehr schönes Beispiel sind Spitzensportler! Diese werden zwar durch Trainer, Freunde, Kollegen, oder Konkurrenten motiviert, doch der Antrieb, sich stetig weiter zu entwickeln, die eigenen Grenzen zu brechen und über sich hinaus zu wachsen, kommt stets vom Sportler selbst.
Ein anderes Beispiel, von dem so ziemlich jeder Mensch einmal in seinem Leben betroffen war, ist das Laufen lernen. Kleine Kinder, die permanent von ihren Eltern getragen werden, oder nur im Kinderwagen liegen bzw. Hilfsmittel zum laufen bekommen, lernen später laufen als alle anderen Kinder. Warum sollten sie auch laufen lernen, sie werden doch getragen, das ist viel bequemer. Die Notwendigkeit zu laufen besteht einfach noch nicht.
Lässt man die Kinder statt dessen krabbeln, damit sie selbst laufen lernen, entwickeln sie Ehrgeiz, sie wollen es den Großen nachahmen, sie wollen den Anschluss gewinnen. Haben sie laufen gelernt, gibt das natürlich ein Erfolgserlebnis und sie wollen sicher mehr davon!
Was hat das nun mit Soziologie zu tun, wenn doch hier mehr psychologische Phänomene beschrieben werden als soziale?
Bei all diesen Phänomenen spielt die Bezugsgruppe eine entscheidende Rolle. Ohne den Bezug zu einer Gruppe, würde das Kind gar nicht das Bedürfnis haben laufen zu lernen. Wäre die Bezugsgruppe ein Rudel Wölfe, würde es wahrscheinlich nur Krabbeln lernen oder sich ähnlich wie ein Affe bewegen. Auch ein Sportler hat seine Bezugsgruppe, an der er sich selbst misst, seine Konkurrenten und/oder Freunde, die er übertreffen will, seinen Ehrgeiz, um wieder ein Erfolgserlebnis zu haben.
Entscheidend ist jedoch die Eigeninitiative, den Anschluss zu finden. Kann man dies als einen Selbsterhaltungstrieb beschreiben, der die Zugehörigkeit zu einer Gruppe beschreibt, oder einfach das eigene Überleben sichern soll?
Damit sind habituelle Faktoren (vgl. Habitus bei Bourdieu 1987) von zentraler Bedeutung, allerdings ist im Rahmen der Eigeninitiative des Akteurs, speziell seine Fähigkeit zum Ausbruch aus diesen habituellen Strukturen notwendig, denn er will mit seiner Initiative ja etwas an sich verändern. Um diese Veränderung zu fördern, schließt er sich anderen, ähnlich gesinnten an, womit sich alle Beteiligten dieser Gruppe gegenseitig fördern können.
GRAMEEN macht sich genau diese Mechanismen zu Nutzen. Die Bank der Armen erleichtert den Einstieg für diejenigen, die gar keine Vorstellung davon haben, was die Gemeinschaft ausmacht und die sich schon an ihre Ausgeschlossenheit gewöhnt haben. Dabei vergibt GRAMEEN Mikrokredite, vermittelt das Prinzip der modernen Ökonomie und hilft den Ausgegrenzten auf die Beine.
Doch hilf GRAMEEN ihnen erst, wenn sie die Bereitschaft, die Eigeninitiative der Anpassung zeigen, sich somit sozialisieren lassen und berücksichtigt dabei ganz besonders die Psyche der betroffenen Menschen. Da die Kreditnehmer nicht in Schulungen oder dergleichen geschickt werden, finden keine Vergleiche zwischen den verschiedenen Teilnehmern statt. Würde man sie in Kurse stecken, die ihnen erst einmal beibringen, was sie alles nicht wissen und alle anderen bereits wissen, würde das wahrscheinlich bei der Masse der Teilnehmer zu einer Demoralisierung führen und damit negative Emotionen/Gefühle erzeugen. Konkurrenzempfinden aufgrund von künstlichen Mangelerscheinungen (bspw. in Form von Fähigkeiten oder Wissen) wie sie durch standardisierte Ausbildungen erzwungener maßen erzeugt werden, werden so von den Teilnehmern im Programm von GRAMEEN fern gehalten. Nur das Wissen um die Arbeitsweise von GRAMEEN muss nachgewiesen werden, um zumindest soviel Bereitschaft zur Sozialisation zu zeigen, dass man den Mikrokredit erhält.
Ein schöner Nebeneffekt sind Freundschaften, die sich zwischen den Mitgliedern einer Gruppe bilden (können). Es entstehen Netzwerke, die sich gegenseitig unterstützen und respektieren lernen. Diese Mitglieder haben nur einen Nutzen von den Mikrokrediten, wenn die gesamte Gruppe funktioniert, also das Kollektiv. Damit ist der soziale Zusammenhalt und die soziale Fürsorge innerhalb der Gruppe entscheidend für den Erfolg der Gruppe. Somit bringt GRAMEEN den Armen der Welt den Vorteil einer Gemeinschaft näher, die sonst vereinzelt und ohne besondere Beziehungen nebeneinander her leben würden (vgl. Yunus 1998).
Einer ist stark, viele sind mächtig, das selbe Prinzip gilt für eine Demokratie. Eine Stimme wird kaum erhört, während viele Stimmen sich Gehör verschaffen können.
Das Moment der Eigeninitiative besteht in diesem hier verstandenen Sinne mehr in der Bereitschaft, dem Impuls des Individuums, sich anzupassen, was GRAMEEN in diesem Sinne macht. Die Bank der Armen bricht mit ihrer Forderung, dass nur Gruppen Mikrokredite erhalten, überholte Muster von Sozialisation auf. Die Teilnehmer sind gezwungen über ihren Horizont hinauszusehen, wenn sie wirklich an der Veränderung ihrer Situation arbeiten wollen. Die Armen (teilweise auch die Reichen) sind es nicht gewöhnt, sich auf andere zu verlassen (wenn überhaupt, dann nur in seltenen Fällen). Sie bekommen zu Beginn die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ermöglicht. Schafft es diese, sich zu arrangieren und gegenseitig zu stabilisieren, werden überholte Erziehungsmuster (ihr Habitus (Bourdieu 1982)), die mehr den Einzelkämpfer beschreiben, zu einem Gruppenbewusstsein umgeschrieben. Damit dieser Schritt allerdings statt finden kann, muss das Individuum dies zulassen, seine Eigeninitiative ist gefragt, sich gegen alte Sozialisationsmuster durch zu setzen, auf psychologischer Ebene.
An dieser Stelle sei auf Manfred Spitzer, einen der weltweit führenden Hirnforscher verwiesen:
„Ein jedes Gehirn ist nichts anderes als das Protokoll seiner Benutzung!“
Kann diese Konditionierung aufgebrochen werden, und die Menschen lernen sich in Gruppen zurecht zu finden, können sich diese untereinander absichern. Ein Prinzip, das in Verbindungshäusern und Zünften bereits seit Jahrhunderten verwendet wird, genauso in Business Schools.
Der Master of Business Administration (MBA) ist im Prinzip eine Schablone für das Projekt GRAMEEN aus einer ganz besonderen Perspektive. Betrachtet man sich die Ergebnisse der beiden Studien „Social Science Research“ von 1973 in England und „Commissariat Général du Plan“ von 1980 in Frankreich, die Jane Marceau in ihrem Buch A family business? The making of an international business élite zusammen fasste und sehr aufschlussreiche Ergebnisse erhielt. Es wird sehr schnell deutlich, dass in derartigen Schulen vor allem Netzwerke gebildet werden (vgl. Marceau 2009).
Diese ermöglichen den späteren MBA Absolventen eine erheblich verbesserte Kommunikation untereinander. So arbeiten die potentiellen Führungskräfte von morgen meist miteinander, auch wenn in Führungsebenen ein relativ hobbe‘sches Prinzip (Hobbes 2010) verbreitet ist („Homo Homini Lupus“). Der Grund ist eine institutionalisierte Managementsprache, die den Umgang miteinander erheblich verbessert, da jeder weiß, was der andere auch wirklich meint (im optimalen Fall). Gerade die Erziehungswissenschaften beschreiben dieses Problem sehr häufig mit dem Sender/Empfänger-Modell, das Beispiel der roten Ampel. Es beschreibt die facettenreichen Möglichkeiten, in der eine Aussage interpretiert werden kann. Nicht umsonst bemüht sich die Soziologie (im Sinne Max Webers) um einen präzisen Sprachgebrauch in seinem jeweiligen und unzweideutigen Wortlaut, hier Deutsch (vgl. Marceau 2009).
Doch werden auch Freundschaften in derartigen Schulen geschlossen und man hilft sich gegenseitig, auch wenn es sich (meist) nur um Zweckgemeinschaften handelt, die durch einen Ehrencodex innerhalb einer Gruppe institutionalisiert wurden, eine Norm die Kollektivzwang verursacht. Man kann sagen, Business Schools sind die modernen Verbindungshäuser der postindustriellen Bereiche der Gesellschaft, die neben vielen Kontakten eine Profession vermitteln, die sie zu besonderer Handlungsfähigkeit im wirtschaftlichen Sektor befähigen (vgl. Marceau 2009).
Im Grunde wendet GRAMEEN ein vereinfachtes Modell dieser Verbindungen an, ermöglicht durch den Mikrokredit den Zugang zum Tausch (über Geld), lehrt damit die Prinzipien der freien Marktwirtschaft und befähigt seine Kreditnehmer, sich in dieser zu bewegen. Der Erfolg ergibt sich dabei aus der Gruppe, die bestehen muss und die jeder unterstützt.
Warum nun Tauschen statt Schenken? Der Tausch setzt eine soziale Interaktion voraus bei der sich mindestens zwei Individuen miteinander auseinander setzen. Schenkt man einfach etwas, findet keine wirkliche Interaktion statt. Tauscht man, ist man gezwungen sich mit seinem Tauschpartner auseinander zu setzen, man muss verstehen lernen, was der andere meint und selbst verdeutlichen, was man will. Man verhandelt um eine Jacke, will etwas verkaufen oder kaufen. Eine soziale Interaktion beim Tausch ist unumgänglich (die digitalen Möglichkeiten von heute einmal außen vor gelassen), während sie beim Schenken nicht wirklich erforderlich ist.
Betrachtet man nun den Bereich der modernen Spender (so will ich sie hier nennen), mag dieser zwar eine gute Absicht haben, sich jedoch nicht wirklich mit dem Problem auseinander setzen. Man verschließt die Augen vor dem wirklichen Problem, hier offenbar der sozialen Instabilität ganzer Gesellschaftsbereiche.
Die Armen haben ein Problem, man schenkt ihnen Kleidung und Nahrung, doch setzt man sich nicht wirklich mit ihrem Problem auseinander. Es kann sich nichts ändern, wenn diesen Gesellschaftsbereichen keine anderen sozialen Interaktionsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Sie haben im Grund einfach den Anschluss an die dominierenden Gesellschaftsstrukturen verloren und leiden an überholten Sozialisations-/Erziehungsmustern.
Will man dieses Problem wirklich lösen, ist eine interdisziplinäre Betrachtung erforderlich. Ein Zusammenschluss, der Soziologie, Psychologie, Erziehungswissenschaften und weiterer Disziplinen, könnte ein wirkliches, praktisch anwendbares Konzept entwickeln, das die Gesellschaft von ihren verarmten Sektoren befreien kann, vorausgesetzt sie ist in der Lage ihre Fesseln der Überspezialisierung und ihrer Treue zum hobbe‘schen (Hobbes 2010) Weltbild zu entsagen und Verantwortung für Ihr Handeln zu übernehmen:
Und diese freien Geister finden sich heute auf allen Ebenen und in allen Gesellschaftsgruppen. Es sind noch nicht sehr viele, aber es werden imme mehr! Wenn wir diese Gedanken anwenden, dann werden wir etwas in Bewegung setzen. […] Ein chinesisches Sprichwort sagt: ’Gib einem Hungernden einen Fisch, und er wird einen Tag lang satt. Lehre ihn fischen, und er wird nie mehr hungern’. Mein Buch ist Unterricht im Fischen. Machen muß es jeder allein.“ (Alke 2000: 124)
Quellenverzeichnis
Alke, D. Harald, 2004 (3, Aufl.): Die Ethik des Neuen Menschen. Ethik, Moral, Glaube und Verantwortung. Flörsheim-Dalsheim: Kyborg Institut [&] Verlag.
Alke, Tobias O. R., 2016: Rezension: GRAMEEN. Ein Bank für die Armen der Welt von Muhammad Yunus und Alan Jolis. In: Kyborg Publishing [URL: http://pub.kyborg-institut.com/de/kyborg-publishing/archiv/verzeichnis/id-2016/rezension-grameen.html - URN: urn:nbn:de:101:1-201601083249].
Bourdieu, Pierre, 1982 (1979): Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt/M.: Suhrkamp Verlag. (im franz. Orig.: La distinction, Critique sociale du jugement. Paris: Les Éditions de Minuit).
Bourdieu, Pierre, 1987: Strukturen, Habitusformen, Praktiken. S. 97-121 in: Ders. (Hg.), Sozialer Sinn. Frankfurt/M.: Suhrkamp Verlag.
Hobbes, Thomas, 2010 (1651): Leviathan. Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH [&] Co. KG.
Marceau, Jane, 2009 (1989): A family business? The making of an international business élite. Cambridge: Cambridge University Press.
Yunus, Muhammad und Alan Jolis, 1998 (1997): GRAMEEN. Eine Bank für die Armen der Welt. Bergisch Gladbach: Gustav Lübbe Verlag GmbH. (Im franz. Orig.: Vers un monde sans pauvreté. L’autobiographie du »banquier des pauvres«. Paris: Éditions Jean-Claude Lattès).
Bei diesem Werk handelt es sich um eine überarbeitete und erweiterte Arbeit des folgenden Werkes:
Alke, Tobias O. R., 2010: Essay - Tauschen statt schenken und das Moment der Eigeninitiative. Seminararbeit. Heidelberg: Max-Weber-Institut für Soziologie.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Schenken und Tauschen?
Ein Geschenk erwartet keine Gegenleistung – das macht es schön und zugleich riskant: Wer dauerhaft beschenkt wird, lernt nicht, auf eigenen Beinen zu stehen. Der Tausch setzt eine eigene Leistung voraus und gibt dem Empfangenden damit einen Anteil am Ergebnis.
Heißt das, Spenden sind schlecht?
Nein. Der Essay wendet sich nicht gegen Hilfe, sondern gegen Hilfe ohne Perspektive. Entscheidend ist, ob eine Gabe jemanden in Abhängigkeit hält oder ihn in die Lage versetzt, selbst zu handeln.